Berlin : Wasserspiele

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Von Andreas Conrad

Wanderer, kommst du winters nach Niedersachsen, sage, du habest es regnen gesehen, wie die Vernunft es befahl – und dies aus allen Rohren. Nur Großstädter, der Geheimnisse des Ackerbaus unkundig, werden sich darüber wundern, dass Felder dort selbst in feuchter Jahreszeit weit spritzend berieselt werden, egal ob es von oben pladdert oder gar schneit. Eine technische Notwendigkeit, müssen doch die Pumpen fördern, fördern, fördern, auf dass sie nicht versanden und dann, wenn sie tatsächlich benötigt werden, kläglich versiegen.

Nun sind die Zeiten, da auf Berliner Boden die Ackerfrüchte gediehen, lange vorbei. Aber von niedersächsischen Verhältnissen sind wir weniger weit entfernt, als es manchem Hauptstädter lieb sein dürfte. Man musste nur am Wochenende über den Leipziger Platz rollen und fühlte sich gleich wie in der Heidjerprovinz, und das ganz ohne Schafe. Auch hier pladderte es zum Gotterbarmen, auch hier wurde berieselt, aus zwei Sprengern gar, Stunde um Stunde, tropf, tropf. Der neue Rasen soll es wohl besonders gut haben, grünte auch sehr zufrieden vor sich hin, zumal wie gesagt keine Hammel an ihm zupften und kein Schaf darauf herumtrampelte.

Oder hat die niedersächsische Reminiszenz zum Fehlschluss verleitet? Handelt es sich womöglich um neue metropolitane Wasserspiele? Eine noch modellhafte Form der Platzgestaltung? Dann freilich wären zwei Fontänen zu wenig. Eine für jede Ecke des Oktagons sollte es schon sein, schon wegen des dabei zu erzielenden, vom Finanzsenator so dringend benötigten Mengenrabatts.

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