Berlin : Wasserstoff tanken: Berlin macht demVerkehr Dampf

BVG öffnet Zapfstation für Busse, Aral will neuen Kraftstoff für Testfahrten anbieten / Erdgas und Biodiesel sind als Alternativen im Kommen

T. Arbinger,R. During

Autos verschmutzen die Luft – in der Regel. Es gibt aber immer mehr Ausnahmen: Das Angebot an alternativen umweltfreundlichen Kraftstoffen in der Stadt nimmt zu. Kommende Woche eröffnen die Berliner Verkehrsbetriebe in Wedding die erste Berliner Wasserstofftankstelle für Busse. Aral plant am Messedamm die erste öffentliche Wasserstofftankstelle weltweit. Auch Erdgasautos sind im Kommen, seit die Gasag ein flächendeckendes Tankstellennetz aufgebaut hat. Und Biodiesel- sowie Elektroautos rollen häufiger durch Berlin als man denkt.

Die Wasserstoffstation am Omnibusbetriebshof in der Usedomer Straße wird kommenden Mittwoch in Betrieb genommen. Die Aral-Tankstelle soll kommendes Jahr fertig werden. Beide gehören zum Projekt „Clean Energy Partnership“, in dem die BVG, Fahrzeug- und Kraftstoffhersteller die neue Technologie testen. Wasserstoffantriebe gelten als umweltfreundlich, weil sie emissionsfrei und nahezu geräuschlos arbeiten. Durch den Auspuff zischt nur Wasserdampf. Die Technologie wird derzeit bei fast allen großen Fahrzeugherstellern erprobt. BMW präsentierte 2000 das erste in einer kleinen Serie gebaute, allerdings unverkäufliche Modell. Ganz ausgereift ist die Technik noch nicht. Vor 2010 wird es Experten zufolge keine Großserien geben.

Dass schon zur Eröffnung der Station am Messedamm Berliner ihr Auto mit Wasserstoff betanken, ist deshalb unwahrscheinlich. Der Wasserstoffzapfhahn soll vorerst nur zu Forschungszwecken angesteuert werden. Zum Beispiel von einem neuen Hybrid-Wagen, den Ford in einer Kleinserie fertigt. „Normalos“ sollen an der Tankstelle Benzin bekommen – aber auch Erdgas.

Mit Erdgasantrieb kann man schon jetzt umweltschonend fahren. Er gilt als „Brückentechnologie“, so lange Wasserstoff noch nicht alltagstauglich ist. Beim Verbrennen entstehen deutlich weniger Abgase als bei Diesel oder Benzin. Der Staat verlangt deshalb weniger Steuern. Im Vergleich mit Benzin sei das Fahren mit Erdgas nur halb so teuer, sagt Gasag-Experte Otto Berthold. Für Erdgas braucht man speziell gefertigte Wagen. Sie werden von einer Reihe von Herstellern angeboten. Der Preis liegt etwas über dem vergleichbarer Dieselfahrzeuge.

Zumindest innerhalb der Stadt dürften die derzeit rund 550 Berliner Erdgas-Fahrer nicht liegen bleiben. Seit 1996 hat die Gasag gemeinsam mit andere Energieunternehmen hier zwölf Erdgastankstellen errichtet. Nachteile haben sie beim Verreisen: Bundesweit fehlt mit bislang 300 Zapfsäulen eine flächendeckende Versorgung. Die Gasindustrie plant aber bereits 1000 weitere Anlagen.

Während Erdgas kommt, haben Elektroautos mit Akkus ihre Hochphase schon hinter sich. Gerade einmal zehn bis 15 Fahrzeuge seien in der Stadt unterwegs, schätzt Andreas Manthey vom Bundesverband Solarmobil. Zu unterscheiden sind Wagen in Leichtbauweise und normale Fahrzeugtypen, wie der Citroen AX, denen ein Elektro-Motor eingebaut wurde.

Umstritten ist der so genannte Bio-Diesel, ein von der Mineralölindustrie aus Pflanzenöl aufbereiteter Kraftstoff, den es an schätzungsweise 20 bis 30 regulären Berliner Tankstellen zu kaufen gibt. Biodiesel enthält ätzenden Verdünner, der Dichtungen und Leitungen angreift. Für Biodiesel taugliche Dieselwagen kann man regulär kaufen.

Doch warum nicht gleich auf reines Pflanzenöl umsteigen? Auch damit lässt sich ein Auto antreiben, vorausgesetzt, es hat eine etwa 2500 Euro teure Aufbereitungsanlage. Tanken kann man dann auch bei Aldi.

Mehr zum Thema im Internet: www.erdgasfahrzeuge.de

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