Berlin : Wasserturm: Im März kommen die Mieter wieder

Christine-Felice Röhrs

Der Blick aus dem Fenster beschert den Anwohnern rund um den Wasserturm in Prenzlauer Berg jetzt wieder ein angenehmes Bild: Das hässliche Gerüst aus Stahl, Holzplanken und Plastikplanen, in dem der Turm - das Wahrzeichen des Viertels - seit dem vergangenen Sommer steckte, wird abgebaut. Unten auf der Straße sind hunderte von Teilen schon zum Abtransport zusammengestellt. "Ab dem ersten März dürfen die Mieter wieder einziehen", sagt Wolfgang Wittmann vom Architekturbüro Bunk, Hartung und Partner, der als Bauleiter für die Sanierung zuständig ist.

Im August hatten die Bauarbeiten begonnen, mit dreimonatiger Verspätung wegen Verzögerungen beim Auszug der Mieter. "Trotzdem werden wir pünktlich Ende Februar fertig sein", sagt Wittmann. "In den nächsten Tagen arbeiten wir nur noch am Mauerwerk im Erdgeschoss und streichen die Techniketage mit dem alten Tank."

Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt...

Mit dem Innenleben des 46-Meter-Turms hatten die Arbeiter begonnen: Aus zehn tortenstückförmigen Wohnungen wurden neun: Eine sehr kleine wurde in eine größere integriert. Alle sind zwischen 40 und 140 Quadratmeter groß. Sie haben nun neue Küchen und Bäder. Erhalten dagegen blieben die alten Holzböden und Türen. Auch Extrawünsche der Mieter, die in Ausweichquartieren auf die Rückkehr in ihr Zuhause warten, wurden berücksichtigt. Morgen sind die Endabnahmen.

Aber auch die Fassade des bisweilen auch "dicker Hermann" genannten Wasserturms wurde "geliftet". "Immerhin ist seit seiner Fertigstellung im Jahr 1876 nichts mehr dran getan worden", sagt Maria Kunitz von der Wohnungsbaugesellschaft Prenzlauer Berg (WIB), in deren Besitz das Gebäude ist. Mit Sandstrahlern rückten die Experten dem Gemäuer zuleibe und ersetzten fehlende Backsteine. Die neuen heben sich weiß vom Original ab. Auch das Dach wurde erneuert und die Terrasse, die oben um den historischen Wassertank herumläuft, völlig neu aufgemauert. Die Bauarbeiter haben hier neun Nistkästen montiert, auf dass dem "dicken Hermann" bald Dohlen, Spatzen und Meisen auf dem Kopf herumtanzen. Der 1400 Kubikmeter fassende Tank selbst ist nun sauber. "Leider hat sich niemand gemeldet, der hier oben ein Café eröffnen wollte", bedauert Architekt Wittmann. "In alten Wassertürmen in Frankreich gibt es das oft." Vier Millionen Mark hat die Sanierung insgesamt gekostet, sagt Wittmann. 3,3 Millionen Mark stammen aus Landes-Fördermitteln. 750 000 Mark trägt die Besitzerin, die Wohnungsbaugesellschaft WIB, selbst. Bald also wohnen die Mieter "de luxe", im historischem Bau und in bester Wohnlage - aber kaum teurer als vor der Sanierung: Die Mieten wurden nur unwesentlich angehoben. Für eine 100-Quadratmeter-Wohnung zahlen die Türmler rund 1200 Mark warm. Interesse? Vergebens. "Hier zieht niemand so schnell wieder aus."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben