Berlin : Wasserwerk im eigenen Garten

Viele Hausbesitzer wollen den hohen Gebühren entgehen – und bohren sich Brunnen. Dabei gibt es aber einiges zu beachten.

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Riesenbohrer. Mit solchem Gerät rücken Fachfirmen für Brunnenbau an. Foto: promo
Riesenbohrer. Mit solchem Gerät rücken Fachfirmen für Brunnenbau an. Foto: promo

Familie Schmidt aus Treptow hat sich vom öffentlichen Trinkwassernetz abgekoppelt – zumindest teilweise. Im Garten fördert eine Pumpe Grundwasser, mit dem der Rasen gesprengt wird. In einer unterirdischen Zisterne sammelt sich Regenwasser, das den Bedarf von Waschmaschine und Toilettenspülung deckt. Wieviel Geld sie spart, weiß die Familie nicht genau, aber allein das gute Gefühl, dem Monopolisten Wasserbetriebe ein Schnippchen geschlagen zu haben, amortisiert die Investition.

Die hohen Trinkwasserpreise in Berlin regen die Fantasie der Eigenheimbesitzer und Datschengärtner an. Neben den 700 Brunnen, aus denen die Wasserbetriebe ihren Nachschub speisen, existieren inzwischen mindestens 5000 private Kleinbrunnen für die Gartenbewässerung oder die Toilettenspülung. Die wahre Zahl dürfte weitaus höher liegen, weil es für den Bau solcher Brunnen keine Genehmigungspflicht mehr gibt, mit Ausnahme von Grundstücken in Trinkwasserschutzgebieten. Es existiere nur ein „Anzeigegebot“ gegenüber der Wasserbehörde des Senats, sagt Stephan Natz von den Wasserbetrieben. Strafbar macht sich allerdings, wer als Selbstversorger wichtige Hygieneregeln missachtet. Der private Wasseranschluss muss sauber vom öffentlichen getrennt bleiben und die Menge des privat gezapften Wassers soll den Wasserbetrieben per Wasseruhr angezeigt werden, damit die Abwasserkosten in Rechnung gestellt werden können.

Die Wasserbetriebe wissen nicht, wieviel Geld ihnen durch die private Brunnenkonkurrenz durch die Lappen geht. Spürbar sei allerdings, dass selbst in knochentrockenen Sommern die Spitzenmarke von 900 000 Kubikmetern Wasserverbrauch am Tag nicht mehr erreicht werde, sagt Natz. Die Kapazitätsgrenze liegt bei einer Million Kubikmeter Wasser. Übers Jahr gerechnet mache das Sprengwasser für die Gärten aber nur einen Bruchteil des Gesamtverbrauchs aus. Man würde den Gartenbesitzern gern mit einem Rabatt auf Sprengwasser entgegenkommen, aber der Senat als Aufsichtsbehörde erlaube generell keine Preisnachlässe. Erlaubt ist nur der Einbau einer zusätzlichen Wasseruhr, mit der das Sprengwasservolumen gemessen wird. Die Wasserbetriebe verzichten dann für diese Menge auf die Abwassergebühren.

Bis zu 3000 Kubikmeter Grundwasser im Jahr dürfen Brunnenbesitzer kostenlos fördern – das reicht für mehrere Fußballfelder. Im Bereich des Berliner Urstromtals, wo man schon wenige Meter unterhalb der Oberfläche auf Wasser stößt, lohne sich das Bohren auf jeden Fall, sagt UIrich Sieber vom gleichnamigen Ingenieurbetrieb. Das kostet rund 1000 Euro. Zehlendorfer und Charlottenburger müssen wegen der höheren Lage schon deutlich tiefer in die Tasche greifen – sie zahlen bis zu 3000 Euro. „Der Trend geht zu vollautomatischen Bewässerungssystemen“, sagt Sieber. Da bleibt der Rasen ohne jeden Handschlag immergrün. Die Investitionskosten lassen sich aber nicht mehr mit eingesparten Wassergebühren refinanzieren.

Auch bei großen Regenwasserzisternen für den Garten ist strittig, ob sie sich lohnen. Die Wasserbetriebe erklären auf ihren Internetseiten, dass in Berlin zu wenig Regen fällt, um den Bedarf von Haus und Garten zu decken. Jan Schubert-Mehrens vom „Regenwassershop“ schätzt die Refinanzierungsdauer auf sechs bis sieben Jahre, wenn Versiegelungsgebühren eingespart werden. Die werden dann fällig, wenn das Regenwasser vom Dach direkt in die Kanalisation eingeleitet wird. In einigen westlichen Bundesländern werden private Zisternen vom Staat gefördert.

Private Bewässerungssysteme sind keineswegs unökologisch, weil Berlin eher mit einem Überangebot an Grundwasser zu kämpfen hat. Das Wassersparen der letzten 20 Jahre hat zu einem deutlichen Grundwasseranstieg geführt, der nur durch künstliches Abpumpen begrenzt werden kann. „Wir betreiben neun Wasserwerke. Rein technisch würden drei davon reichen“, sagt Unternehmenssprecher Natz. Gartenbesitzer, die ihren Rasen täglich mit Grund- oder Regenwasser duschen, brauchen also kein schlechtes Gewissen zu haben.

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