Berlin : Wasserwerk-Schließungen: Angst vor nassen Kellern

Die Wasserbetriebe schließen in diesem Jahr mit Johannisthal und Jungfernheide zwei ihrer elf Wasserwerke.

von

Die Hausbesitzer rund um das Wasserwerk Johannisthal haben nun Angst, dass ihnen das Grundwasser bald in die Keller schwappt - so wie in den 90er Jahren im benachbarten Rudow. Der Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses hat deshalb schon die Wasserbetriebe aufgefordert, an die Anwohner zu denken. Doch die Wasserbetriebe versprechen, dass das Grundwasser nicht steigt. Denn die Werke wollen weiter Wasser fördern, dieses aber nicht mehr als Trinkwasser aufbereiten, sondern in den Teltowkanal ableiten. Langfristig wollen die Wasserbetriebe vom Senat gerne den Auftrag für das "Grundwassermanagement" in Berlin bekommen. Ein Vertrag mit dem Senat steht kurz vor dem Abschluss.

Für die Schließung von Johannisthal und Jungfernheide haben sich die BWB entschieden, weil diese mit 20 000 und 60 000 Kubikmetern pro Tag zu den kleineren gehören und in beide viel Geld investiert werden müsste. Zudem braucht man das Personal aus diesen beiden Werken an anderer Stelle. Denn die BWB haben sich verpflichtet, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Da es zu viel Personal gibt, habe man sich entschlossen, wieder die "Schippe in die Hand zu nehmen", wie BVW-Sprecher Stephan Natz sagte. Wie zu DDR-Zeiten verlegen die Wasserbetriebe wieder die Rohre bis hinein in die Häuser. Die Hausanschlüsse wurden bislang von Fremdfirmen verlegt.

Die Wasserbetriebe rechnen damit, dass der Verbrauch auch in Zukunft sinken wird, wenn auch langsamer als in den 90ern. Im Jahr 2000 waren es nur noch gut 120 Liter pro Kopf und Tag; vor zehn Jahren waren es noch 140 Liter. Vor allem die Industrie hat ihren Bedarf seit der Wende nahezu halbiert. Auch mit neun Werken können die BWB noch deutlich über eine Million Kubikmeter am Tag liefern. Und diese Marke ist in den letzten Jahren nur ein Mal überschritten worden: am extrem heißen 20. Juni 2000. An normalen Tagen sind es 620 000 Kubikmeter. Schon in den 90er Jahren waren fünf Werke geschlossen worden, vier davon im Ostteil der Stadt. Besonders in Rudow waren in den 90er Jahren viele Keller nass geworden, weil das Grundwasser zwei Meter gestiegen war.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben