Berlin : „We kehr for you“

Wie die Agentur HeymannSchnell für die Fusion werben würde

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Kennen Sie die sympathischen jungen Herren in Orange? Die Matschwinner, den Staturday Night Feger oder auch den kleinen Hund Dirty Harry? Klar, was früher einfach nur die schmutzige BSR war, ist heute die sympathischste Stadtreinigung der Republik. Und das alles verdankt die Berliner Stadtreinigung der Schöneberger Werbeagentur HeymannSchnell, die der BSR ein modernes Image verpasst hat. Angefangen mit einem Plakat, das zum Stadtgespräch wurde: „We kehr for you“, versprach die BSR berlinweit in orange. Damit haben HeymannSchnell die Stadt bekehrt.

Als der Tagesspiegel Agenturen auffordete, Ideen für eine Imagewerbung für die Länderfusion zu entwickeln, weigerte sich HeymannSchnell, die Botschaft durch eine einfache Anzeige zu vermitteln. Nicht, dass die Schöneberger Agentur kein Interesse oder keine Idee hatte. „Mit den klassischen Anzeigen in einer Zeitung erreichen Sie doch heute kaum noch jemanden“, hielt uns einer der Agenturchefs vor. Seine Idee ging deshalb weit über eine Anzeige hinaus: Er forderte gleich zwei komplette Zeitungsseiten, die identisch sind und in die ihre Anzeige eingebaut wurde. Wir können diese Seiten nebenstehend allerdings nur in einem kleineren Format abbilden.

Auch die BSR wollte eigentlich etwas anderes. Eine klassische „Zeigefingerkampagne“: Ein Plakat, das die Bevölkerung auffordert, sich endlich selbst um ihren Müll zu kümmern und nicht auf die Straße fallen zu lassen. Zur anderen Art der Kampagne musste die Stadtreinigung erst bekehrt werden, nämlich zunächst der BSR ein neues Image zu verschaffen, um auf dieser Grundlage dann Gehör zu finden. HeymannSchnell schufen die „men in orange“. Der Rest lief fast von selbst. Genutzt hat die Kampagne natürlich der BSR und den Straßen der Stadt. Aber auch die Agentur hatte den einen oder anderen Vorteil. Nicht zuletzt eine lange Liste an Preisen, die HeymannSchnell damit gewann.

Die Referenzliste der Agentur ist lang. Neben der BSR gehört dazu etwa die BVG, die FDP, die Gauck-Behörde, das stilwerk, der Internetprovider snafu, das Theater des Westens, die Berliner Volksbank oder auch der Axel Springer Verlag – eine sehr unterschiedliche Klientel. Entsprechend wenig ähneln sich die Kampagnen. Als Motto hat sich die Agentur ein Gebot vorgegeben: „Du sollst nicht langweilen.“ Mit einer Werbung langweilen die Werber sicher nicht. René Heymann, einer der Gründer der Agentur, ist Mitglied im Kuratorium der Berliner Aids-Hilfe und Initiator der Kampagne „Ich bin ein Täter“/“Ich wart auf Dich“, die zum Welt-Aids-Tag 2000 anlief. Besucher in der Firmenzentrale strahlen auf der einen Seite der Wand die Männer in Orange an, und von der anderen Wand warnt die rote Schleife „Vergessen ist ansteckend“. HeymannSchnell ist Hauptsponsor, Ideengeber und Initiator dieser Aktion. Barbara Junge

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