Berlin : Webseite der Arbeitsagentur manipuliert

Rassistische Sprüche in Stellenanzeigen

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Das Internetstellenportal der Bundesagentur für Arbeit (www.arbeitsagentur.de) ist am Wochenende offenbar von rechtsradikalen Computerhackern manipuliert worden. Betroffen waren 20 Stellenanzeigen der privaten Vermittlungsfirma DSS aus Falkensee. Die Anzeigen enthielten den Zusatz: „nur Bewerber arischer Abstammung“. Wer weitere Informationen wünschte, landete auf einer Porno-Seite. Die DSS-Geschäftsführer haben Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet und der Polizei Datenmaterial übergeben. Die Stellenanzeigen sind inzwischen gelöscht.

Wie es zu den Manipulationen kommen konnte, ist unklar. Nur registrierte Teilnehmer können die Anzeigendaten verändern, wenn sie ihren Benutzernamen und ein Passwort eingeben. „In das Passwort ist kein Dritter eingewiesen worden“, sagt DSS-Mitinhaber Frank Robin Hennig. Verändert wurden die sogenannten Stammdaten der Firma, etwa die Adresse des Inhabers. Von diesen Daten erscheinen einige auf jeder Stellenanzeige. Deswegen waren gleich 20 Anzeigen mit dem rassistischen Zusatz versehen.

Der Zugang zu den Stammdaten der DSS sei inzwischen mit Hilfe von IT-Experten zusätzlich gesichert worden, sagt Hennig. Geholfen hätten auch Mitarbeiter der Bundesagentur in Nürnberg. Dort existiert eine „Prüfgruppe“, die Zugang zu allen 1,1 Millionen Benutzerkonten des Portals hat und Anzeigen löschen kann, wenn unzulässige Inhalte gefunden werden.

Der Hackerangriff sei ein Einzelfall, sagte Ulrich Waschki, Sprecher der Bundesagentur. Ziel der Manipulationen seien nicht die Rechner der Bundesagentur gewesen, sondern der eines Anbieters. Deshalb werde das Sicherheitssystem des Portals nicht verändert. „Das System ist schon sehr sicher.“ Für die Anbieter von Stellenanzeigen bleibe ein „Restrisiko“ wie bei jeder Onlineaktion.

Die Prüfgruppe in der Bundesagentur könne nur „oberflächlich“ kontrollieren. Alle Stellenanzeigen werden beim Einstellen ins System geprüft, nachfolgende Änderungen allerdings nicht – „das ist ein gewisses Problem“, so Waschki. Die Prüfgruppe beanstandet täglich bis zu 50 Stellenanzeigen. Meistens sind die Stellenbeschreibungen unzulässig, der Mindestlohn wird unterschritten oder es wird illegal Werbung gemacht. Von derzeit 593 000 ausgeschriebenen Stellen im Portal seien 114 000 von externen Anbietern eingestellt worden. loy

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