Wedding : Keine Rettung fürs Hospiz

Das DRK will eine Station für Todkranke in Wedding schließen.

Benjamin Lassiwe

Sie sitzen am Bett der Todkranken und hören zu. Im Schummerlicht der Nachttischlampe reichen sie die Schnabeltasse mit dem Tee, wenn sonst niemand da ist, der es tun könnte. Etwa 60 ehrenamtliche Helfer engagieren sich beim Ambulanten Hospizdienst des Deutschen Roten Kreuzes Berlin. Es sind Menschen wie Regina Lehmann: Bei Tag und bei Nacht opfert die Rentnerin ihre Freizeit, um Menschen zu betreuen, deren Krebserkrankung das Endstadium erreicht hat. „Wir leisten den Menschen in ihren letzten Tagen Gesellschaft, wir entlasten Familienangehörige in der Betreuung“, sagt sie. „Niemand soll allein sterben.“

Doch das Rote Kreuz will den Hospizdienst in Wedding schließen. „Uns hat man gesagt: aus Kostengründen“, erinnert sich Regina Lehmann. Der Hospizdienst hatte auch drei hauptamtliche Mitarbeiter. Sie koordinierten den Einsatz der freiwilligen Helfer und kümmerten sich um die fachliche Begleitung. „Da gab es persönliche Differenzen zwischen einer Mitarbeiterin und einem Vorgesetzten“, sagt Regina Lehmann. Dieser Mitarbeiterin sei fristlos gekündigt worden, die beiden Übrigen müssten zum 31. Oktober gehen. „Das ändert aber nichts an dem Skandal, dass das DRK einen überwiegend von Ehrenamtlichen betriebenen Hospizdienst schließt, während sich die Politik für eine bessere Betreuung von Sterbenden einsetzt, um aktive Sterbehilfe zu verhindern“.

Der Bedarf an Sterbebegleitern steigt: Betreute der ambulante Hospizdienst 2006 noch 36 Menschen, waren es 2007 schon 85 Fälle. Und im letzten Jahr kümmerten sich die 64 Helfer des Hospizdienstes um 103 Todkranke. Dazu kamen telefonische und persönliche Beratungsgespräche: Mit Angehörigen von Sterbenden, die nach einem Pflegedienst suchten. Mit Menschen, die wissen wollten, wie eine Patientenverfügung ausgefüllt wird. „Über fehlende Arbeit konnten wir nicht klagen“, sagt Regina Lehmann. Doch auch Protestbriefe an die Leitung des Berliner Roten Kreuzes hätten keine Rettung für den Hospizdienst gebracht.

Zu den Vorwürfen der Ehrenamtlichen möchte sich das DRK nicht äußern, es handle sich um „ein schwebendes Verfahren“, teilte das Büro von Landesgeschäftsführer Andreas Bode mit.

Regina Lehmann und die Ehrenamtlichen des Hospizdienstes wollen weitermachen. Sie überlegen, sich künftig bei einem anderen freien Träger, etwa der Diakonie oder der Caritas zu engagieren. Denn dass ambulante Hospizdienste in Berlin weiterhin benötigt werden, davon sind die Helfer überzeugt. Benjamin Lassiwe

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