Wedding : Süßer Zwist um Zuckermuseum-Umzug

Das Zuckermuseum schließt im November und zieht 2014 ins Technikmuseum Eine Initiative fordert den Verbleib der historischen Einrichtung in Wedding.

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Naschen verboten.
Naschen verboten.

Seit mehr als 100 Jahren dreht sich in der Amrumer Straße 32 in Wedding alles um Zucker. 1904 zogen das Institut für Zuckerindustrie und das Zuckermuseum in das Gebäude. Im Museum geht es um Sklavenarbeit auf Plantagen in Übersee und um die Entdeckung des Rübenzuckers 1747 in Berlin, die Besucher sehen alte Geräte zur Herstellung von Alkohol, wovon Zucker ein wichtiger Bestandteil ist.

Nun gibt es um die süße Einrichtung einen Streit. Denn das Zuckermuseum schließt am 5. November und soll erst Ende 2014 im Technikmuseum, zu dem es seit 1995 gehört, in der Trebbiner Straße in Kreuzberg wiedereröffnen. Einige sind damit überhaupt nicht einverstanden. „Das ist eine Kulturschande, die hier passiert“, sagt Hubert Olbrich. Der 89-jährige Lebensmitteltechnologe leitete die Einrichtung von 1972 bis 1994. Das Museum sei weltweit einmalig und in Verbindung mit den einstigen Forschungseinrichtungen historisch an den Standort in Wedding gebunden. Olbrich sieht ein Stück seines Lebenswerkes kaputtgehen. Mit Mittes einstigem Jugendstadtrat Rainer Sauter und dem Sammler Frank Rawlinson hat er einen Brief an den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses geschrieben. Dort müsse der Museumsumzug diskutiert werden.

Die Unterzeichner werfen dem Technikmuseum vor, sich nicht um Fördermittel bemüht zu haben, um das Zuckermuseum in Wedding zu halten. Es habe bereits Machbarkeitsstudien für eine Erweiterung in der Amrumer Straße gegeben. Wenn sie schon umziehen müsse, dürfe die Ausstellung nicht lange eingelagert werden sondern müsse direkt in neue Räume ziehen. Das Museum könne ohne Weiteres das gesamte Gelände bespielen.

1600 Quadratmeter – derzeit sind es 400 – für Zucker wären zu viel, sagt Dirk Böndel, Direktor des Technikmuseums. So viel Platz wäre offenbar verfügbar, wenn die TU Berlin die von ihr genutzten Räume verlässt. Noch wartet die Universität auf die Fertigstellung eines Neubaus in Dahlem, sagt eine Sprecherin. Mit neuen Mietern für das Vorderhaus verhandele man bereits, langfristig wolle man das Gebäude aufgeben. „Würde die TU nicht ausziehen, würde das Zuckermuseum in Wedding bleiben, sagt Dirk Böndel. Die nötige Sanierung des Gebäudes würde aber mindestens fünf Millionen Euro kosten. „Das kann ich nicht rechtfertigen bei den Besucherzahlen“, sagt Böndel. In das abgelegene Museum kommen jährlich nur etwa 13 000 Besucher. Das Technikmuseum besuchen hingegen eine halbe Million Gäste. Deshalb habe er sich nicht auch um Fördergelder beworben. Der Umzug sei mit dem Stiftungsrat der Stiftung Deutsches Technikmuseum und mit Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) abgesprochen.

In Kreuzberg zieht die Sammlung auf 800 Quadratmeter in das Foyer des Technikmuseum-Neubaus, sagt Böndel. Dort werde für 400 000 Euro der Brandschutz erneuert, das Geld sei bereits bewilligt. Umzug und Einrichtung der Ausstellung kosten dann noch einmal rund 800 000 Euro. Die alten Laboreinrichtungen aus dem Institutsgebäude in Wedding will Böndel ausbauen und mitnehmen. „Der Bereich Lebensmitteltechnologie soll im Technikmuseum ausgebaut werden“, sagt er. Demnächst eröffne schon eine Likörfabrik. Die Besucher können dort aber nur gucken, beschwipsen müssen sie sich woanders. Christoph Spangenberg

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