Berlin : Weddinger Kindermusseum: Barfuß durch den Zauberwald

Friederike Böge

"Iiiih." Patricia ist mit ihren nackten Füssen auf den feuchtkalten Waldboden getreten. Wer weiß, was da alles für Käfer rumkreuchen. Mit ihrer Freundin Mersija hat sich die Sechsjährige in den Zauberwald geschlichen. Im Laub flüstern die Feen, und es riecht nach Hexenkräutern. Ganz schön gruselig!

Der Zauberwald steht im Obergeschoss des Kindermuseums Labyrinth. Dort gibt es seit gestern eine neue Ausstellung. "Irren ist menschlich" heißt das Motto. Kinder zwischen 4 und 12 Jahren können hier Labyrinthe und Wälder erforschen, knifflige Konzentrationsaufgaben lösen, eine Murmelbahn bauen und vor allem "irre" viel Spaß haben. Im Weddinger Kindermuseum gibt es keine Vitrinen, an denen man sich die Nase plattdrücken muss. Es plärrt keine Alarmanlage, wenn man sich einmal zu nahe herangetraut hat. Anfassen, riechen, lümmeln - alles ist erlaubt.

Den Zauberwald und das Labyrinth haben Studenten der Hochschule der Künste (HdK) konzipiert. "Wir haben bewusst unterschiedliche Konzentrationsstufen eingebaut", sagt HdK-Dozent Volker Hoffmann. Es darf auch getobt werden. Da gibt es Ecken zum Kuscheln, Gartenschlauch-Kraken zum Betasten, eine Klangwand zum Lauschen und eine Spiegelwand zum Gucken.

Im Zauberwald soll es eigentlich etwas ruhiger zugehen. Die Kinder verkleiden sich hier als Hexen und Gnome. Begleitet werden die Kinder, die in festen Gruppen durch die einzelnen Ausstellungsteile gehen sollen, von einer Oberhexe. Vormittags sind nur angemeldete Schulklassen und Kitagruppen dran, damit die Zahl der Kinder überschaulich bleibt. "Das mit der Ruhe müssen wir noch ein bisschen üben", sagt die Frau mit dem Hexenhut, Betreuerin Susanne Schmidt. Die meisten Kinder seien viel zu aufgeregt, um sich auf die einzelnen Geräusche und Gerüche zu konzentrieren. Wer von dem Bunten, dem Lauten und der ganzen Aufregung genug hat, der kann sich in der Insel der Stille ausruhen oder sich vor einen der beiden Kindercomputer hocken.

Das Kindermuseum Labyrinth gibt es seit drei Jahren. 250 000 Kinder und Erwachsene haben seitdem das Fabrikgebäude besucht. Mit "Irren ist menschlich" hat das Museum nach Gastausstellungen wie "Sendung mit der Maus" und "Babbels" nun erstmals eine eigene Ausstellung konzipiert. Daneben veranstaltet das Labyrinth auch Workshops für Kinder. "In kleineren Gruppen kann man viel intensiver an einem Thema arbeiten", sagt Roswitha von der Golz vom Mobilen Team zur Suchtprävention der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, das mit dem Museum zusammenarbeitet. Als nächstes steht das Thema Gesundheit auf dem Programm. Im kommenden Jahr will das Kindermuseum seine Projektarbeit ausweiten. Bis dahin soll eine zweite Galerie in dem Fabrikgebäude ausgebaut werden. Die Finanzierung kommt von der Kroschke Stiftung für Kinder. Denn das Museum finanziert sich allein durch Eintritts- und Stiftungsgelder.

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