Weddinger Musiktheater : Kulturausschuss berät über das Atze

Am Montag gab es im Kulturausschuss eine Anhörung zur Zukunft des Kindermusiktheaters Atze. Anstatt eine hilfreiche Lösung für das Ensemble zu beschließen, wurde über verfehlte Zuständigkeiten gestritten.

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Besorgter Chef. „Unser Kopf liegt auf der Guillotine“, sagt Thomas Sutter.
Besorgter Chef. „Unser Kopf liegt auf der Guillotine“, sagt Thomas Sutter.Foto: Klaas

Bühnenkünstler wollen wahrgenommen werden, von möglichst vielen Leuten. In diesem speziellen Fall allerdings wäre es Thomas Sutter, dem Leiter des Atze Musiktheaters, lieber gewesen, die Sache hätte hinter den Kulissen verhandelt werden können. Nun aber sitzt er im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses und muss sein Dilemma erklären: Seine Kinder- und Jugendtheatertruppe nutzt seit 2004 den Beckmann-Saal in Wedding. Für zehn Jahre hat Sutter damals mit dem Bezirk einen Mietvertrag abgeschlossen. Der aber soll im kommenden Jahr auslaufen, weil die Konditionen laut Kulturstadträtin Sabine Weißler (Grüne) nicht mehr tragbar seien. Symbolisch einen Euro pro Monat zahlt Atze derzeit, die Unterhaltskosten trägt der Bezirk, 690 000 Euro für die künstlerischen Spielbetrieb schießt das Land zu.

Die fristgerechte Kündigung aber hat Panik bei den Mitarbeitern ausgelöst: „Unser Kopf liegt auf der Guillotine“, fasst Sutter die Stimmung im Haus zusammen. „Das ist kein angenehmes Gefühl.“ Darum fordert er zwei Dinge: Eine sofortige Verlängerung des Vertrags um zwei Jahre und ein klares Bekenntnis der Stadt zur Institution Atze, die pro Jahr 100 000 Besucher anzieht, und erhält langen Applaus von den zahlreich erschienenen Sympathiesanten.

Respektsbekundungen für seine Arbeit bekommt der Atze-Chef am Montag vom Bezirk wie auch von den Abgeordneten. Lediglich eine Lösung für das Problem lässt sich nicht finden. Nachdem Kulturstadträtin Weißer vorgeschlagen hat, der Senat möge doch bitte die Immobilie übernehmen, haut Klaus Wowereit mal vor sich richtig auf den Tisch. „Dies ist ein Musterbeispiel für Kulturpolitik auf dem Rücken der Betroffenen“, donnert der SPD-Regierende in Richtung der Grünen-Stadträtin. Sie allein habe „den Schlamassel angerichtet“. Darum müsse sie nun gefälligst den Vertrag verlängern. Dann sei er bereit, grundsätzlich über die Frage des Umgangs mit bezirklichen Kulturimmobilien nachzudenken. Klaus Wowereit will keinen Präzedenzfall schaffen, denn er weiß: In jedem Bezirk gibt es ähnliche Fälle. Nur Thomas Sutter und seinen Schauspielern hilft das an diesem Nachmittag nichts.

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