Berlin : Weddinger Schule ist ein Vorbild für die Briten

Kulturministerin Tessa Jowell besucht die Erika-Mann-Schule

Mia Raben

Die britische Kulturministerin Tessa Jowell ist „very impressed“. Ihren Rundgang durch die Erika-Mann-Grundschule in Wedding bezeichnete sie am Dienstagmorgen als „sehr inspirierend“. Dass die zierliche Lady mit dem Kurzhaarschnitt in der Stadt weilte, ist Sir Simon Rattle zu danken. Denn der Chefdirigent der Philharmoniker hatte sie und rund 3000 andere Gäste für Montagabend in die Arena Treptow eingeladen. Dort präsentierten Rattle und sein Orchester nun zum zweiten Mal ein großes Tanzprojekt mit 200 Schülerinnen und Schülern aus mehreren Bezirken, vor allem aus Gebieten mit sozialen Problemen.

Auch die Erika-Mann-Schule hat im letzten Jahr an einem Projekt mit den Philharmonikern mitgewirkt. Allerdings fördert Schulleiterin Karin Babbe das ganze Jahr hindurch die kreative Entwicklung ihrer Schüler. Und genau dieses Engagement will auch die britische Ministerin in ihrem Land verstärken. Seit vier Jahren gehört die Erika-Mann- Schule zu den Berliner „Theater betonten Grundschulen“ und ist damit eine von drei in ganz Deutschland. Bei den Theaterproben mit ausgebildeten Schauspiellehrern lernen die Kinder zugleich körperliche und geistige Disziplin. Die Schulleiterin in Wedding erklärt der britischen Ministerin, dass sie bei den Kindern auf diese Weise „Fähigkeiten fürs Leben“ aufbauen will. Sie spricht von Konzentration und Selbstbewusstsein, von Werten, die viele Kinder im Elternhaus nicht immer vermittelt bekommen. Zumal rund 70 Prozent der Eltern zu den so genannten „bildungsfernen Elternhäusern“ gehören und zu mehr als der Hälfte arbeitslos sind.

Für die britische Ministerin ist die Schule im Wedding besonders deshalb interessant, da sie in vielerlei Hinsicht mit Schulen in ärmeren Bezirken von London, Liverpool oder Manchester zu vergleichen ist. Auch Jowell will kreative Schwerpunkte an Schulen mehr fördern. „Wir müssen uns doch gegenseitig aufklären und inspirieren, unsere Ideen austauschen, voneinander lernen“, sagt sie, nachdem sie einer sechsten Klasse bei den Proben zu „Emil und die Detektive“ zugeschaut und eine echte Harfe im Treppenhaus der Schule bewundert hat.

Schulleiterin Babbe und Ministerin Jowell sind sich einig: Kreative Talente zu fördern verbessert auch die schulischen Leistungen. Mittlerweile bekommen an der Erika-Mann- Schule mehr als 70 Prozent der Sechstklässler eine Realschul- oder Gymnasialempfehlung. „Just marvellous“, lobt Jowell noch, bevor sie mit ihrem Begleitkomittee in die Limousine steigt, die sie zur MoMA-Ausstellung bringen wird.

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