Berlin : Weg da!

Andreas Conrad

verzweifelt mal wieder am Berliner Nörgelsinn Es stimmt schon, auf Vorurteile soll man nichts geben, besonders nicht auf die negativen. Andererseits… Bezogen auf die Berliner gehen sie etwa so: besserwisserisch, starrsinnig, immer zum Nörgeln bereit, bestenfalls zum Belehren – all solche Eigenschaften. Passen irgendwie nicht zu den ebenfalls unterstellten positiven Seiten, dem trockenen Humor, der respektlosen Schnodderigkeit besonders gegenüber Autoritäten. Der Berliner – ein Zwitterwesen, doppelgesichtig wie seine Stadt. Aber auf all dies soll man ja, wie gesagt, nichts geben, tut es auch nicht mit gutem Willen – bis einem kurz hintereinander zwei besonders charakteristische Exemplare über den Weg laufen. Zum Beispiel auf einem breiten Sandweg: Ein halbwegs sonniger Tag, dazu Wochenende, entsprechend viele Fahrräder sind unterwegs. Auch eine ältere, schon etwas abwesende Dame trottet daher, den Blick gesenkt, nicht achtend auf die Radler von vorne und hinten. An sich kein Problem, man kommt leicht an ihr vorbei. Einer aber beharrt auf der Vorfahrt, drängelt sich unnötigerweise durch, nicht ohne der versonnenen Dame im Vorbeifahren noch rasch ein „Immer schön den Kopf hoch!“ überzuziehen. Später dann in der U-Bahn: Irgendetwas im ersten Wagen quietscht penetrant. In solchen Fällen wechselt man am besten das Abteil. Nur einer tut es nicht. Ärgert sich, wird sichtlich erbost. Geht vor zur Fahrertür, klopft, will sich beschweren. Weichen würde er nie. Er hat bezahlt. Und er will sein Recht. Ruhe!

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