• Weg mit dem Viadukt am Breitenbachplatz: Lärmschutz contra Autobahn: Weg mit dem Viadukt am Breitenbachplatz: Lärmschutz contra Autobahn

Weg mit dem Viadukt am Breitenbachplatz: Lärmschutz contra Autobahn : Weg mit dem Viadukt am Breitenbachplatz: Lärmschutz contra Autobahn

Vieles ist besser geworden am Breitenbachplatz seit der Sanierung 2010, aber besser bedeutet noch lange nicht gut genug. Der vom Steglitzer Abzweig der Stadtautobahn überbaute Platz hat sich von diesem zerstörerischen Eingriff der Verkehrsplaner nie erholt, was umso tragischer ist, als die Autobahn hier entgegen den ursprünglichen Planungen endet. Wie soll man nun umgehen mit einem großzügigen Stadtplatz, gerahmt von kräftigen Kastanien, der seinen Aufgaben,

Erholung und Gemeinschaft zu stiften, nicht mehr gerecht werden kann? Inspiriert durch die Plätze-Serie des Tagespiegels, wandten sich gleich zwei Gruppen unabhängig voneinander an die politischen Akteure im Bezirk. Eine Anwohnerinitiative möchte einen Abriss des Autobahnviadukts erreichen, damit der Platz seine alte „Piazza-Funktion“ zurückerhält und das „Plopp-plopp-plopp“, wenn Autoreifen über die Dehnungsfugen der Brücke rollen, endlich aufhört. Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob man den Autoverkehr auf einer Platzseite komprimieren kann, um die andere Seite direkt an die Häuserzeile anzudocken und damit eine ruhige Flanierzone mit Caféterrassen und Spielbereichen zu schaffen. Ein ähnliches Konzept wird derzeit am Hermannplatz in Neukölln vorangetrieben.

Das wäre ein großer Wurf, zu realisieren nur mit einer millionenschweren Investition. Diese Idee möchten die Platzakteure bei einer öffentlichen Veranstaltung nach der Sommerpause „aufpflanzen“, sagt

Anwohner Ulrich Rosenbaum, um dann zu beobachten, ob sie weitersprießt. Die Neugestaltung des Breitenbachplatzes – neue Stauden, weniger Strauchhecken, neuer Wegebelag – kostete übrigens

125 000 Euro.

Die andere Gruppe besteht aus zwei Studierenden des Instituts für Architektur der TU Berlin: Linda Mai und Richard Martens. Sie haben den Breitenbachplatz auf seine Barrierefreiheit untersucht und dabei

diverse Schwachpunkte entdeckt. Ihnen geht es nicht primär um

Stufen und Kanten, sondern um „kommunikative Barrieren“.

Die Platzumbauer haben nach Ansicht der Studenten das Lärmproblem unterschätzt. Besonders für schwerhörige Menschen sei es schwierig, sich zu unterhalten. Nachts, wenn der Platz von hohen

Laternen nur unzureichend ausgeleuchtet ist, haben es Menschen

mit schwachen Augen schwer. Gelungen seien die halbrunden,

gesprächsfördernden Bänke.

Der Entwurf der Studierenden (Skizze rechts) sieht vor, über den Platz die Konturen eines menschlichen Ohres zu legen, so entstünden drei verschiedene Vegetationszonen. Um den Lärm zu mindern, sollte zwischen den Kastanien und der inneren Rasenfläche eine Lärmschutzwand aus Holz eingezogen werden. Die angehenden Landschaftsarchitekten schlagen einen Wegebelag aus Kunststoff vor, der Verletzungsrisiken minimiert und keinen nennenswerten Schall erzeugt (große

Bilder). An die Autobahnbrücke allerdings gehen sie nicht ran.

Der Breitenbachplatz ist im Berliner Vergleich eher unauffällig. Keine Alkoholikerbänke, kein Drogenumschlag, keine überbordende Vermüllung und Graffitiverunzierung. Dahlem eben, wenn auch hart an der Grenze. Die Sanierung konnte den Platz nicht entscheidend beleben.

Es fehlten Veranstaltungen, Gastronomie und eine ausreichende Pflege, sagt Anlieger Ulrich Rosenbaum. Seine Initiative (siehe Internetadresse) steht noch ganz am Anfang. Sie will sich politisch einmischen, Anfragen an den Senat stellen und die Platz-Historie aufarbeiten.

Thomas Loy

www.breitenbachplatz.de

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