Berlin : Weg mit den Handschuhen! Pop-Prinz Justin Timberlake im Velodrom

Sassan Niasseri

Zum Schluss ein Feuerwerk abbrennen? Das macht doch fast jeder Star. Aber vorher, ehe die Band richtig losdonnert und den Helden des Abends nach vorne auf die Bühne spült – Junge, Junge, Justin, das hat was. Kurz nach 21 Uhr hatten die Musiker auf der Bühne des Velodroms sich langsam warmgespielt, von Timberlake noch keine Spur. Ganz in rotes Licht war alles getaucht, Bar-Atmosphäre fast trotz Riesenhalle. Ein Wummern, Klopfen kam plötzlich auf, Herzschläge aus den Boxenbatterien, die hektischer, schneller, donnernder wurden – bis sich die Spannung in einem Feuerwerk entlud.

Dann er: Justin Timberlake. Nicht aus dem Hintergrund, nicht von der Seite, nein: von oben. Eine Wendeltreppe führte von dort zu der Ebene der Fans, auf der Justin nach unten glitt. „What’s up, Berlin?“ Ein paar Worte zur Begrüßung, verbale Umarmung des begeisterten Publikums, dann legt er los: „Rock your, Body.“ Die fingerlosen Handschuhe fliegen achtlos in die Ecke, die Girls stehen bereit, der Tanz kann beginnen.

Verflogen die Langeweile, die die ganz hartnäckigen Fans den Tag über gequält hatte. Dieses endlose Warten auf einen, der sich dann nicht zeigt. Immerhin gibt das Gelegenheit zum Austausch. Die beiden Mädchen im Velodrom waren sich vor dem Konzert jedenfalls einig: „Der hat das gewisse Etwas“, sagte die 16–jährige Natalja. Und ihre fast gleichaltrige Freundin ergänzte: „Das Gesamtpaket stimmt.“ Ein wenig enthusiastischer hätte ihr Urteil schon ausfallen können. Doch Fans von heute geben sich offenbar gerne cool.

Auch vor Justins Hotel, das „Four Seasons“ am Gendarmenmarkt, hatte tagsüber gähnende Leere geherrscht. Nur ein Häuflein aufrechter Fans hielt stundenlang die Stellung. „Da vorn ist einer seiner Tänzer“, rief André und rannte zum Haupteingang. „Nee: Der ist zu dick. Muss ein Bodyguard sein“, beruhigte Yves seinen Freund mit Kennerblick. Wo aber bliebt Justin? Er ließ auf sich warten. Außer André und Yves lauerte noch ein Kamerateam. „Als Robbie Williams letzte Woche hier war, war’s noch leerer“, erzählte der Hotelportier. „Die beiden lassen sich nicht vergleichen“, antwortete André. „Justin sieht fit aus, ist ohne Allüren, ein absolutes Vorbild. Und dazu noch ein toller Sänger und Tänzer“. „Robbie dagegen“, grübelte Yves, „ist eher der Entertainer, einer, der durch Spontanität und Dialog begeistert“. Schon drehte sich wieder die Schwingtür, und die Zwei wurden zappelig. Erneut Fehlalarm.

Die Langeweile, so scheint’s, fördert strategisches Denken. Und lässt Raum für alle möglichen Gerüchte, was Justin in Berlin so treiben würde: Angeblich steigt nach dem Konzert eine Aftershowparty. Aber wo? In einem neuen Club in der Brunnenstraße in Mitte. Sehr cool natürlich.

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