Berlin : Weg vom Fenster!

Lothar Heinke

fühlt sich unerwünscht am Holocaust-Mahnmal Sie haben es wachsen sehen, das Holocaust-Mahnmal, Stein für Stein, Stele für Stele. Es ist ihnen gewissermaßen ans Herz gewachsen – und in die Wohnstuben. Denn sie leben in der Wilhelmstraße mit dem Blick zum Tiergarten und auf das Gelände, wo sich am Dienstag die Prominenz des Landes trifft, um bedeutende Worte zu sprechen. Das Denkmal wird eröffnet, ab Donnerstag ist es für jeden zugänglich.

Wer von den Anwohnern nun vielleicht dachte, die weihevolle Stunde als Augenzeuge miterleben zu dürfen, wird enttäuscht: Statt einer Einladung zum festlichen Akt lesen sie an den Haustüren einen freundlichen Hinweis der zuständigen Polizeidirektion 31, „von 13 bis 18 Uhr aus Sicherheitsgründen die Balkone nicht zu betreten und Fenster, die zum Denkmal gerichtet sind, nicht zu öffnen oder sich an ihnen aufzuhalten“.

Zuletzt gab es solches Sicherheits-Buhei, als der US-Präsident in der Nähe war. Okay, typisch. Aber diesmal sind offenbar die Anwohner und ihre Gäste das Sicherheitsrisiko. Dabei war das Stelenfeld doch als öffentlicher Gedenkort gedacht. Bei der Eröffnung aber wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Das gibt zu Denken.

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