Wegbegleiter von Heinz Buschkowsky : „Ich war als Türke oft der gleichen Meinung“

Bildung statt Moscheen in Neukölln: Warum ein langjähriger Weggefährte Heinz Buschkowsky schätzte. Ein Interview.

von
Kazim Erdogan
Kazim ErdoganFoto: Kitty Kleist-Heinrich

Der Neuköllner Psychologe Kazim Erdogan spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über seinen ersten Wortwechsel mit Heinz Buschkowsky sowie gemeinsame Ziele, aber auch abweichende Meinungen.

Herr Erdogan, wann haben Sie vom Rücktritt erfahren?

Ein paar Minuten vor Ihrem Anruf, ich hab’ gerade fast Ärger bekommen.

Im Bezirksamt?

Nein, mit meiner HNO-Ärztin, weil ich im Wartezimmer telefonierte. Als ich ihr sagte, warum, hat sie mir verziehen.

Was haben Sie gedacht?

Dass es schade ist, wenn er aus gesundheitlichen Gründen aufhören muss.

Wie lange kennen Sie ihn?

Lange. Ich bin 2003 ins Bezirksamt gekommen, als Psychologe zu den Sozialpsychologischen Diensten.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung?

Klar. In der Nähe der Rütli-Schule sollte damals eine Moschee gebaut werden und ich wusste, dass der Bezirksbürgermeister mit türkischen Vertretern darüber im Gespräch war. Da habe ich ihn auf der Straße abgefangen und ihm gesagt: Wir brauchen in Neukölln keine Moscheen, sondern Bildungsprojekte für unsere Jugendlichen. Beten könne man schließlich überall.

Und wie hat er reagiert?

Diplomatisch, wie sonst?

Ich bin mir sicher, dass er so gedacht hat wie ich, aber er wollte ja auch nicht als Feind der Religion dastehen. Außerdem kannte er mich da noch nicht und war wohl etwas irritiert.

Was schätzen Sie an ihm?

Seine Offenheit. Dass er die Probleme deutlich benennt. Ich hatte nicht direkt mit ihm zu tun, aber in Bildungsfragen war ich als Türke oft seiner Meinung.

Zum Beispiel?

Beim unsäglichen Betreuungsgeld oder bei den Bildungsgutscheinen, die viele wegen der Bürokratie nicht in Anspruch nehmen.

Aber als sein Buch „Neukölln ist überall“ erschien, waren Sie nicht glücklich.

Ich hätte mir gewünscht, dass er trotz der Probleme, die es zweifellos gibt, auch das Positive benennt.

Sie meinen Projekte wie Ihr Aufbruch Neukölln?

Es gibt sehr, sehr viele großartige Projekte und Menschen, die Neukölln voranbringen.

Manche werfen Buschkowsky Rassismus vor.

Ja, manche sind schnell mit solchen Begriffen. Ich habe nie eine rassistische Äußerung von ihm gehört und schon gar kein entsprechendes Verhalten erlebt.

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