Berlin : Wege zum Glück

Lars von Törne

folgte über Pfingsten Rousseau statt Yeats Eingezwängt zwischen schwitzenden Körpern, schutzlos der sengenden Sonne ausgesetzt, von allen Seiten dröhnend beschallt – so vergnügte sich am Wochenende beinahe die Hälfte der Stadtbewohner auf dem Karneval der Kulturen. Frei nach der Erkenntnis des irischen Poeten William Butler Yeats, der vor 100 Jahren schrieb: „Freude kommt aus dem Willen, der sich abmüht, Hindernisse überwindet, triumphiert.“ Die andere Hälfte der Stadt, einschließlich des Autors, genoss im Gegenzug die überraschende Ruhe in den Parks und in den Straßencafés, die dank Karneval fast menschenleer waren. Und gab sich damit als Anhänger Rousseaus zu erkennen, der vor 250 Jahren befand: „Der höchste Genuss besteht in der Zufriedenheit mit sich selbst.“ Was Gesellige und Ruhesuchende trotz ihrer gegensätzlichen Vorlieben verband, war das Glück über den kurzen Vorsommer, den nach den kalten Maiwochen keiner mehr erwartet hatte. Goethes Wort „Wo wir uns der Sonne freuen, sind wir jede Sorge los“ galt im Karnevalstrubel ebenso wie beim ruhigen Balkonfrühstück. Auf Berlins Goethe-Anhänger kommen nun allerdings harte Zeiten zu: Ab heute soll es regnen.

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