Wegen der Hitze : Der Kanal duftet

Sonne, Sommer – und schlechte Luft! Üble Gerüche belästigen zurzeit die Flaneure an Kurfürstendamm und Gendarmenmarkt. Alle Jahre wieder das gleiche Problem: Im Sommer riecht es aus den Kanälen.

von

Zu wenig Niederschlag, zu wenig Abwasser aus den Betrieben, das lässt den Pegel in den Leitungen sinken, das Abwasser fließt langsamer, die mitgeschleppten Rückstände faulen. Schwefelwasserstoff diagnostiziert der Chemiker – es stinkt nach faulen Eiern.

Dem rücken die Berliner Wasserbetriebe mit einem Fäulnisbeauftragten, einem Forschungsprojekt und – tatsächlich – einem Deo zu Leibe: Gelplatten werden, wie sonst Riechsteine für Toilettenbecken, in die Abwasserkanäle gehängt. „Erste-Hilfe-Maßnahme“ nennt Betriebe-Sprecher Stephan Natz den Einsatz. Effektiver seien „Salzdosieranlagen“, die der Fäulnis chemisch begegnen oder auch die Einleitung von Eisenschlamm. Vieles davon wird aber bisher vor allem im Forschungslabor erprobt. Alt bewährt ist dagegen das Fluten der Gullis, so wird der duftende Dreck zur nächsten Kläranlage gespült. Manchen Kanal am Kurfürstendamm fluten die Wasserbetriebe einmal pro Woche.

Und wer hat die dicke Luft zu verantworten? Der geringe Wasserverbrauch, lange oder U-förmige Kanäle und manchmal auch Wirte. Viele Gaststätten haben keinen Fettabscheider. Und weil Fett oben schwimmt, klebt es an den Ausbuchtungen der Rohre fest, fault – und stinkt irgendwann zum Himmel.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben