Berlin : Wegen Hitze und Hunger kollabierte der Star

hema

"Best of Milva" wollten sich am Freitagabend 1500 Fans der italienischen Sängerin im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt anhören. Konnten sie auch - bis zur Pause. Dann kam die 1500-fache Enttäuschung: Statt Milva trat deren Managerin auf die Bühne und gab bekannt, dass der Star nicht wiederkomme. "Es geht ihr nicht gut. Sie ist nicht in der Lage, das Konzert fortzusetzen." So hatte die Theaterärztin entschieden, die in die Garderobe von Milva gerufen worden war, weil sich der 62-jährige Star plötzlich schlecht fühlte. Wobei man wissen muss, dass Milva seit dem Morgen nichts gegessen und sich dann abends bis zur Pause mit voller Power auf der Bühne verausgabt hatte.

Dort war Maria Ilva Biolcati, wie Milva bürgerlich heißt, zunächst im schwarzen Hosenanzug mit funkelnder Kette auf dem freizügigen Dekolleté, danach in einem langen Chiffonrock aufgetreten, der ihre Beine aufs Schönste erahnen ließ. Mit ihrer rauchigen Stimme schmachtete und donnerte die Diva mit der roten Löwenmähne aus ihrem Repertoire weltbekannte Evergreens wie "Komm zurück" und "Liberta" ins begeisterte Publikum. Das war dann auf den zweiten Teil des Konzertprogramms gespannt, das "Artisti" heißt, wie die neue CD der Sängerin. Durch 17 deutsche Städte will sie mit dem Konzert touren, das zugleich ein Rückblick auf ihre schon 40 Jahre währende Bühnenkarriere ist.

Am Freitagabend war Milva nach ihrem Kreislaufkollaps mit Blaulicht in die Charité gebracht worden. Dort schien sich ihre Spur zu verlieren. "Ich weiß nichts. Von Milva gibt es keine stationäre Meldung", sagte gestern in der Charité jemand vom Patientenmanagement - das heißt wirklich so.

Konnte es auch nicht. Gestern war sie längst wieder wohlauf und in München. Dort wollte sie, wie geplant, abends in der Philharmonie auftreten - und heute schon wieder in Frankfurt am Main. "Hurra, wir leben noch", singt sie unter anderen in ihrem Konzert. Die große Hitze im Schauspielhaus habe ihr zugesetzt, sagte gestern der Münchner Konzerveranstalter Helmut Pauli gegenüber der Agentur AP.

Vielleicht hätte statt Blaulicht eine deftige Berliner Butterstulle genügt, um den Star wieder auf die Beine und zu seinem Publikum zu bringen. Die zeigten sich nicht alle von der feinsten Seite. Die einen waren dankbar, dass nach der Pause wenigstens das Orchester weiterspielte, die anderen vergaßen im Nu ihre eben noch bejubelte "wunderbare Milva" und formierten sich in der Kassenhalle empört zum Sturm auf die ihnen zustehende Hälfte des Eintrittsgeldes. Etliche belagerten sogar einen Verkaufsstand mit Milva-CD - eine stünde ihnen zur Entschädigung zu.

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