WEGEN MISSBRAUCHSFÄLLEN : Kirchenaustritte häufen sich

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Berlin hat seit Bekanntwerden der jüngsten Missbrauchs-Skandale deutlich zugenommen. „Es gibt einen signifikanten Anstieg an Kirchenaustritten“, sagte eine Sprecherin der Senatsjustizverwaltung. Dies habe eine stichprobenartige Umfrage bei den Amtsgerichten ergeben.

Demnach wurden im Bezirk Schöneberg allein bis Mitte März 135 Austritte aus der katholischen Kirche verzeichnet. Normalerweise treten dort im gesamten Quartal etwa 100 Kirchenmitglieder aus.

Eine ähnliche Tendenz sei in Neukölln zu erkennen. „In den östlichen Bezirken hat sich hingegen nur wenig verändert.“

Das Erzbistum Berlin wollte sich nicht zu möglichen Tendenzen äußern. Ein Sprecher verwies auf die noch nicht veröffentlichten Quartalszahlen. Auch die evangelische Kirche will sich nicht festlegen, in welchem Ausmaß der Skandal zu Austritten geführt hat. „Wir müssen erst die Zahlen aus dem März abwarten“, sagte ihr Sprecher Volker Jastrzembski. Derzeit rechne man mit keinem großen Unterschied gegenüber den Vorjahreszahlen. Die katholische Kirche hat nach eigenen Angaben in Berlin 316 000 Mitglieder, der evangelischen Kirche gehören etwa 646 000 Berliner an.

Kirchenmitglieder aus Berlin müssen ihren Austritt bei den ansässigen Amtsgerichten erklären. Einen Grund für ihre Entscheidung müssen sie nicht angeben. Nach Ansicht der Sprecherin ist ein Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen aber anzunehmen. ddp

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