Wegen Schimmel : Asservatenkammer der Polizei gesperrt

Die Asservatenkammer der Berliner Polizei ist seit neun Monaten wegen Schimmelbefalls gesperrt. Die Behörde stellt das vor Probleme.

Endstation fürs Corpus Delicti. In Asservatenkammern wie hier im Magdeburg – stapeln sich die Beweisstücke. Nicht immer kommt man heran.
Endstation fürs Corpus Delicti. In Asservatenkammern wie hier im Magdeburg – stapeln sich die Beweisstücke. Nicht immer kommt man...Foto: picture-alliance / ZB

„Der Amtsschimmel wiehert“, das ist eine vom Volksmund gerne genutzte Redensart, wenn eine Behörde zu bürokratisch arbeitet. Germanisten streiten seit Langem, woher der Satz stammt: ob der Schimmel tatsächlich wiehert oder nicht vielmehr einfach nur herumliegt, nämlich als Staub oder Schimmelpilz, wenn eine Akte vergessen wurde.

Nun steht fest: Der Schimmel liegt, und zwar in der Asservatenkammer der Berliner Polizei. Hier nun hört der Spaß auf und die Peinlichkeit fängt an. Denn die Räume der Asservatenkammer der Polizei in der Gothaer Straße in Schöneberg sind gesperrt und verschlossen – wegen Schimmelbefalls. Und zwar seit 30. März vergangenen Jahres.

1300 Aservate unter Verschluss

Was ist überhaupt eine Kammer für Asservate? Hier hilft das Internetlexikon Wikipedia: „Das Asservat (von lateinisch asservare, ,(amtlich) bewachen’; amtlich: Verwahrstück) bezeichnet einen nach Polizeirecht oder nach der Strafprozessordnung sichergestellten oder beschlagnahmten Gegenstand.“

1300 Asservate liegen nun derart amtlich bewacht in der Gothaer Straße, und zwar so, dass niemand ran darf. Wirklich niemand. So schreibt die Amtsanwaltschaft an einen Rechtsanwalt: „Die Asservatenstelle teilte mir mit, dass die Asservate derzeit nicht ausgehändigt werden können, da wegen Schimmelbefalls die Räume, in denen sich die Asservate befinden, derzeit nicht betreten werden dürfen.“ Schön bürokratisch formuliert.

Überhaupt nicht lustig findet das ein Berliner, der einfach nur seine Waffe wiederhaben will. Die war im vergangenen Jahr bei einer Kontrolle beschlagnahmt worden, weil sie im falschen Stahlschrank eingeschlossen war, berichtet der Leser. Solche unangekündigten Kontrollen gibt es, seitdem das Waffenrecht verschärft worden ist. Waffenbesitzer müssen damit rechnen, dass ihre Waffe beim kleinsten Verstoß gegen Vorschriften beschlagnahmt wird.

Auf Anfrage gab das Polizeipräsidium zu: „Grundsätzlich bedeutet die Sperrung der beiden Asservatenräume, dass die dort lagernden Asservate derzeit nicht entnommen werden dürfen und gegebenenfalls nicht den zwischenzeitlich beantragten kriminaltechnischen Untersuchungen zugeführt werden können. Weiterhin können Verfügungen der Staatsanwaltschaft zu Vernichtung oder Aushändigung von Asservaten nicht erfüllt werden.“

Und wann ist der Schimmel weg? 

Und was bedeutet das nun über den einen, von Amts wegen entwaffneten Berliner hinaus? Hier nun ist die Polizei ganz offen und spricht von einer „starken Einschränkung“. Die Waffe unseres Lesers stammt aus einer banalen Ordnungswidrigkeit. Sollte aber bei einer anderen Waffe der Verdacht entstehen, dass damit ein Mensch getötet wurde? Auch an sie kommt niemand heran.

Zum Glück ist nur eine der drei Asservatenkammern des berlinweit zuständigen „Kriminaltechnischen Instituts“ (KTI) vom Schimmel befallen. 1300 Gegenstände lagern derzeit in der Gothaer Straße, ein nur kleiner Teil der Asservate des KTI. Über 100.000 sollen es in den anderen beiden Standorten am Tempelhofer Damm und in der Martin-Luther-Straße sein. Eine absolute Zahl über den Bestand hat die Polizei nicht. Im Jahr 2017 wurden 42.000 Stücke zu 14.000 Ermittlungsverfahren neu amtlich eingelagert.

Und wann ist der Schimmel weg? Ganz schwierige Frage. „Die Schimmelsanierung sowie die Reinigung und Verlagerung der Asservate mussten von der zuständigen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) als Gebäudeeigentümervertreter ausgeschrieben werden“, teilte das Präsidium auf Anfrage mit.

"Weitere Räume temporär gesperrt"

Nach nunmehr gut neun Monaten ist jetzt immerhin die Ausschreibung erfolgt. Bis zum 4. Januar konnten Angebote abgegeben werden. Wie es nun weitergeht, ist offen. Dem Vernehmen nach beschied die Asservatenstelle anfragenden Ermittlungsbehörden noch im November, dass die Akten „im März 2018“ erneut übersendet werden können, „da voraussichtlich erst zu diesem Zeitpunkt die Räume wieder betreten werden können“.

März 2018 war vermutlich zu optimistisch, das Präsidium nannte auf Anfrage lieber keinen Termin mehr. Und die Gothaer Straße ist kein Einzelfall. Auf die vorsichtshalber gestellte Frage, ob es noch mehr Schimmel gibt, antwortete die Polizei: „Ja, es gibt weitere Räume, die temporär gesperrt sind.“ Welche Räume das denn nun sind, kann die Polizei derzeit nicht, vielmehr erst in der kommenden Woche beantworten.

Ungeklärt bleibt auch, ob der Amtsschimmel nun nur herumliegt oder vielleicht doch vernehmlich wiehert.

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