Wegen Studienwunsch : Berlinerin wird im Libanon festgehalten

Eine junge Berlinerin wird seit Monaten gemeinsam mit ihrem Baby im Libanon festgehalten. Der Ehemann der 19-Jährigen verhindert ihre Ausreise.

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Gefangen. Soukaina El R. darf nicht zurück nach Berlin. Ihr Mann will es so. Foto: NDR
Gefangen. Soukaina El R. darf nicht zurück nach Berlin. Ihr Mann will es so. Foto: NDR

Eine junge Berlinerin wird seit Monaten gemeinsam mit ihrem Baby im Libanon festgehalten. Sie möchte schnellstmöglich zurück nach Berlin, doch ihr Ehemann hat es verboten, und daran halten sich die Behörden in Beirut – sogar die deutsche Botschaft ist machtlos.

Über den Fall berichtete das ARD-Magazin „Panorama“ in seiner neuesten Ausgabe. Die 19-jährige Deutsch-Libanesin Soukaina El R. hatte demnach vor zwei Jahren den damals 18-jährigen Libanesen Fadi El R. geheiratet. Sie machte in Schöneberg Abitur, bekam einen Sohn und wollte studieren. Doch ihre Ehe geriet in eine Krise. In dem Fernsehbeitrag schildert sie, wie ihr wütender Mann sie schlug und bedrohte, als sie ihren Studienwunsch äußerte. Dann überredete er sie zu einem „Versöhnungsurlaub“ im Libanon. Das Paar reiste im Juni hin. Dort sei alles nur schlimmer geworden. Der Ehemann, der nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, nahm seiner Frau den deutschen Pass ab, verfügte ein Ausreiseverbot für sie – und flog selbst zurück nach Berlin.

Soukaina El R. bekam von der deutschen Botschaft in Beirut zwar einen neuen Pass, aber die dortigen Behörden verhinderten ihre Ausreise. Denn im Libanon Land bestimmt der Mann, wo sich die Frau aufzuhalten hat. Die junge Frau lebt derzeit bei Familienangehörigen in Beirut, darf sich relativ frei bewegen – und hat es nach Auskunft von Berliner Behörden sogar geschafft, übers Internet Strafanzeige gegen ihren Mann wegen Freiheitsberaubung zu stellen.

„Solche Fälle gibt es häufig, aber dass mal einer bekannt wird, ist selten“, sagt Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD). Viele Mädchen und junge Frauen verschwänden spurlos. Soukaina El R. hingegen sei zum Teil selbst schuld: „Ihr wurde dringend geraten, die libanesische Staatsangehörigkeit aufzugeben, aber sie wollte nicht“, sagt Buschkowsky. „Wenn sie dann auch noch in den Libanon fliegt, weiß sie, dass ihr Mann die totale Macht über sie erhält.“

Wenn sie nur Deutsche wäre, könnte ihr effektiver geholfen werden. So aber verweisen deutsche Diplomaten darauf, dass ihre Einflussmöglichkeiten begrenzt seien, weil Libanon die doppelte Staatsangehörigkeit nicht anerkennt. Deshalb rät die Anwältin und Grünen-Politikerin Canan Bayram Mandanten, besonders weiblichen, ihre alte Staatsbürgerschaft aufzugeben – speziell wenn es eine libanesische oder türkische ist.

Fadi El R. spielt beide Rechtssysteme offenbar gegeneinander aus. „Das ist ihm nicht allein eingefallen. Da ist er beraten worden“, sagt Buschkowsky. Laut Innensenator Ehrhart Körting (SPD) wird dem Mann jetzt wohl das Aufenthaltsrecht entzogen, denn das ist an Ehe und Umgang mit Frau und Kind gebunden. Man kann ihn aber nur ausweisen, solange die Frau weg ist. Fadi El R. soll sich nun einen Anwalt genommen haben. Fatina Keilani

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