Berlin : Weggekürzt: Jüngster Bezirk sieht bei Jugendarbeit alt aus

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Im kinderreichsten Bezirk stehen zu Jahresbeginn mehrere Jugendeinrichtungen vor dem Aus. So mussten das Medienzentrum "Helliwood" und das "Weite Theater" ihren Betrieb bereits einschränken. Das Jugend- und Kulturzentrum "Kiste" an der Heidenauer Straße 10 hat bereits zu. Grund dafür sind die Kürzungen der öffentlichen Gelder für diese Zentren. "Man will uns nur eine Stelle finanzieren", sagte gestern Fred Schöner von der "Kiste". Doch das sei zu wenig, um abwechslungsreiche Angebote zu machen. Auch die anderen Jugendeinrichtungen kritisierten die Entscheidung des Jugendhilfeausschusses, der im Dezember darüber befunden hat, welche freien Träger weiterhin gefördert werden. "Offensichtlich spielten dabei weder Besucherzahlen noch die Qualität der Arbeit eine Rolle", sagte Thomas Gesser vom "Weiten Theater", einem mehrfach ausgezeichneten Projekt.

Das über den Bezirk hinaus bekannte Medienzentrum "Helliwood" protestiert derweil mit einer Anzeige auf ihren Internetseiten gegen die völlige Schließung. "Wir suchen einen Bezirk, der bereit ist, auch zukünftig junge Menschen auf ihrem Weg in die Informationsgesellschaft zu unterstützen", heißt es. Denn der Jugendtreff des Fördervereins für Jugend und Sozialarbeit erhält keinen Pfennig Zuschuss mehr vom neuen Großbezirk. Helliwood-Leiter Thomas Schmidt rechnete vor, dass bisher monatlich rund 1000 Kinder und Jugendliche die 60 miteinander vernetzten und mit Internetanschluss versehenen Computer nutzen. Nach Meinung der freien Träger wurden zudem die kommunalen Anbieter bei der Mittelvergabe bevorzugt.

Gleichzeitig drohen die freien Träger damit, Marzahn-Hellersdorf zu verlassen. "Doch das Nachsehen hätten dann die jungen Leute", gibt Fred Schöner von der "Kiste" zu bedenken. Bürgermeister Uwe Klett (PDS) betont, dass in dieser Angelegenheit noch nicht das letzte Wort gesprochen sei. "Die zuständigen Stadträte befassen sich derzeit intensiv mit diesem Thema."

Die beiden Vorsitzenden der Jugendhilfeausschüsse von Marzahn und Hellersdorf versuchten indes, die Handlungsweise ihrer Gremien zu erläutern. Es sei darum gegangen, ein möglichst gleichmäßig auf den Großbezirk verteiltes Angebot in der Jugendarbeit zu schaffen, sagten Ute Thomas und Gabriele Hiller. Mit dem Budget von 3,7 Millionen Mark konnten schließlich nur 67 Personalstellen, von ursprünglich 200 beantragten, bewilligt werden.

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