Berlin : Wehe, wehe

Werner van Bebber

nimmt auch gern unterschiedliche Positionen ein Das ist kein rot-roter Senat im Roten Rathaus, das ist nicht bloß eine Landesregierung, wie man sie auch in Mecklenburg-Vorpommern findet. Das ist die hohe Schule der Diplomatie, die im Umgang mit Hartz täglich neue Finessen und Sprachbügeleien erfinden und mit unbewegten Gesichtern aussprechen muss, damit keiner fragt, was die Koalition noch zusammenhält. Die PDS demonstriert gegen den Senat, dem sie angehört. Der SPD-Landeschef Michael Müller nennt das „einen erstaunlichen Vorgang“. Gut gesagt – es klingt, als kommentiere Müller mit gedämpfter Stimme das Verhalten Schizophrener. PDS-Chef Stefan Liebich ist vorsichtshalber verreist. Wenn sich die beiden kommende Woche zusammensetzen, werden sie sich – das gibt dem Gespräch besonderen Reiz – auf Augenhöhe begegnen, von Mr.-17-Prozent zu Mr.-17-Prozent. Die eisige Spitze politischer Formulierungskunst hat Senatssprecher Michael Donnermeyer erreicht, der von „unterschiedlichen Positionen“ gesprochen hat. Sollte man nicht eher von Gegensätzen reden? Besser nicht. Wer weiß, wozu Leute fähig sind, die regieren und gleichzeitig opponieren wollen.

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