Weiberfastnacht : Bundestag kommt nur langsam in Schwung

Während die Narren in den Karnevalshochburgen am Rhein lautstark in die "fünfte Jahreszeit" starten, sind die Mitarbeiter von Bundeskanzleramt und Bundestag noch im Dienst.

Berlin - Pünktlich um 11.11 Uhr ist die Lobby des Berliner Jakob-Kaiser-Hauses menschenleer. Zwei Stunden später - um 13.11 Uhr - soll die Weiberfastnacht auch hier offiziell beginnen. Doch anstelle von rheinischem Frohsinn herrscht zunächst nur graue Tristesse. Die Lobby ist bereits für das närrische Treiben hergerichtet. Bunte Luftballons und Girlanden zieren die grauen Betonwände. Ein Fernsehbildschirm hinter dem Sekttresen zeigt Bilder von feucht-fröhlichen Umzügen aus dem Rheinland. Musik wird aufgedreht: "Ach wär' ich nur ein einziges Mal ein schmucker Prinz im Karneval", tönt es durch die Lautsprecher. Die "schmucken Prinzen" glänzen aber vorerst durch Abwesenheit. Das Dreigestirn wird erst am späten Nachmittag in das Hohe Haus einziehen. Als Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages soll Petra Pau (Linksfraktion) die Jecken begrüßen. Vorerst lassen sich aber kaum Bundestagsabgeordnete blicken.

Klaus von Poblotzki vom Berliner Karnevalsverein "Rote Funken" ist dennoch optimistisch. "Die Stimmung wird noch steigen", zeigt sich der Lehrer, der seine rote Karnevalsuniform trägt, überzeugt. In den vergangenen Jahren sei es auch erst am frühen Abend richtig losgegangen. Die Berliner müssten eben in die Fastnacht erst "langsam reinwachsen".

Keine Krawattenjagd

Die Mitglieder des Karnevalsvereins "Ostermanns-Erben-Fanclub" feiern bereits kräftig. Sie haben sich extra freigenommen, ihre Stimmung ist ungetrübt. Nach den ersten Gläsern Kölsch und Sekt tanzen sie. "Es wird später sicher nett", sagt die als Clown verkleidete Lisa Grützenbach zuversichtlich. Schließlich müssten die meisten Berliner noch arbeiten.

Weitgehend unverkleidet sind die restlichen Gäste. Vereinzelt ist mal eine rote Clownsnase zu sehen oder eine Brille aus dem Scherzartikelladen. Viele der Anwesenden sind Mitarbeiter aus den Fraktionen, die nur kurz vorbeischauen und dann wieder ihrer Arbeit nachgehen. Erst nach Feierabend wollen sie zur Feier wiederkommen - ohne Karnevalskostüm. Auf Krawattenjagd geht im Bundestag anscheinend niemand. (Von Mey Dudin, ddp)

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