Weihe zum Diakon in Berlin : Meine Ehefrau muss explizit zustimmen

Heiner Koch wird neuer Erzbischof von Berlin. Indes bereitet sich Benno Bolze, ein verheirateter Mann, in der Hauptstadt auf die Weihe als Prediger vor. Hier berichtet er von den Vorbereitungen.

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Am Sonnabend wird er zum Diakon geweiht: Benno Bolze, verheirateter Familienvater aus Berlin.
Am Sonnabend wird er zum Diakon geweiht: Benno Bolze, verheirateter Familienvater aus Berlin.Foto: Walter Wetzler

Ich habe früher schon einmal einige Semester Theologie studiert, dann aber gemerkt, dass Priester zu werden nicht mein Weg ist. Deswegen bin ich damals zur Sozialpädagogik gewechselt. In dieser Zeit habe ich auch meine Frau kennengelernt, mit der ich mittlerweile zwei Kinder habe.

Diakon kann man seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch als verheirateter Mann werden. Seit drei Jahren bereite ich mich darauf vor. In dieser Zeit habe ich das Studium der Theologie im Fernkurs abgeschlossen, Seminare in Magdeburg besucht und ein Praktikum in der St. Dominicus-Gemeinde in Neukölln gemacht. Die Ausbildung lief parallel zu meiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Deutschen Hospizverbandes.

Die Familie ist mit im Boot

Das geht natürlich nur, wenn die Familie diese Entscheidung mitträgt, denn die Zeit wird ganz schön knapp. Wenn ich am Sonnabend zum Diakon geweiht werde, wird die Zustimmung meiner Frau auch explizit erfragt. Während eines Gebetes steht sie im Altarraum direkt hinter mir.

Die nächsten Tage dienen der letzten spirituellen Vorbereitung auf die Weihe und das Amt. Dafür fahre ich mit drei anderen Bewerbern aus Berlin und Magdeburg zu Exerzitien in ein Benediktiner-Kloster nahe Halberstadt. Dort verbringen wir Tage der Stille und der Einkehr, ich werde meditieren, beten und mich auf mein neues Amt besinnen.

Diakon für die Hilfsbedürftigen

„Diakon“ bedeutet im Wortsinn „Diener“, und so sehe ich meine Aufgabe. Als Diakon ist man damit beauftragt zu predigen. Ich möchte in meinem Dienst die Menschen, die Hilfe brauchen, in den Mittelpunkt stellen, vor allem Flüchtlinge, Häftlinge, Kranke und Sterbende. Das passt gut zu meiner Arbeit im Deutschen Hospizverband, die ich weitermache, den Dienst als Diakon übe ich ehrenamtlich aus.

Die Weihe nimmt der emeritierte Weihbischof Wolfgang Weider am Sonnabend in der St. Hedwigs-Kathedrale in Mitte vor. In der Messe erfragt er zunächst unsere Bereitschaft, den Dienst anzutreten. Dann wird der Heilige Geist auf uns herabgerufen, und der Bischof vollzieht die Weihe durch das Auflegen seiner Hände. Als äußeres Zeichen bekommen wir ein besonderes Gewand. Mir ist bei alledem wichtig, dass ich der bleibe, der ich bin, so wie die Leute mich kennen. Ich bleibe Benno Bolze, nur eben jetzt als Diakon.

In unserer Rubrik „Von Woche zu Woche“ erzählen Leserinnen und Leser des Tagesspiegels, was sie in der neuen Woche vorhaben und in ihrem Leben bewegt. Wollen Sie auch mitmachen? Einfach Mail an berlin@tagesspiegel.de.

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