Berlin : Weihevoll

Lothar Heinke

Der Pariser Platz wird immer schöner. Erst diese wunderbare U-Bahn-Baustelle, die sie zu Ehren von König Fußballs WM mal kurz gedeckelt haben. Und nun, genau gegenüber, ein neuer Baldachin. Unter dunklem Merlot-Rot und 81 kleinen Kristalllichtern schreiten seit gestern die Gäste über den Teppich ins Adlon oder eilen trockenen Fußes zum Taxi, jedenfalls vermittelt dieser Vorbau etwas von Fünf-Sterne-Flair, es ist wie in amerikanischen Filmen, und man fragt sich, wieso dieses Ereignis mit einem Glas Champagner begossen wird und Direktor Thomas Klippstein höchstpersönlich mit einer güldenen Schere ein Band durchschneidet, wie bei neuen Brücken oder Autobahnen. Derlei Objekte wurden oftmals schneller fertig als der Baldachin, um den das Adlon seit 1997 beharrlich ringt. Neun Jahre Kampf gegen Windmühlenflügel! Die klassische Begründung der Ablehnung durch den damaligen Baustadtrat von Mitte war, dass so ein Vorbau an diesem Hotel nicht der Allgemeinheit, sondern nur ein paar reichen Hotelgästen nützt. Der Anti-Baldachinist hieß Thomas Flierl, heute übrigens Kultursenator. Merke: Die WM macht vieles Mögliche möglich.

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