Weihnachten am BER : Die Flughafenchefs lassen sich's schmecken

Flughafenchef Mehdorn lud all seine Vorgänger zum vorweihnachtlichen Essen. Auch die geschassten, erfolglosen BER-Geschäftsführer kamen gern - nur einer war nicht dabei.

von
Verschwiegener Gastgeber. Hartmut Mehdorn gab auch gegenüber seinen Vorgängern keinen Eröffnungstermin bekannt.
Verschwiegener Gastgeber. Hartmut Mehdorn gab auch gegenüber seinen Vorgängern keinen Eröffnungstermin bekannt.Foto: dpa

Es war eine illustre Gesellschaft, die sich in der vergangenen Woche in der Abgeschiedenheit des International Club unweit vom Theodor-Heuss-Platz zum zünftigen Weihnachtsessen traf. Flughafenchef Hartmut Mehdorn hatte eingeladen, und fast alle waren gekommen. Die Gästeliste entsprach der Ahnengalerie der noch lebenden Direktoren der Berliner Flughäfen. Sogar seine geschassten Vorgänger Rainer Schwarz und Manfred Körtgen waren der Einladung von Mehdorn gefolgt, ebenso wie die neue Finanzchefin Heike Fölster. Zu den wenigen, die in der knapp 20-köpfigen Runde fehlten, gehörte der kaltgestellte Technik-Geschäftsführer Horst Amann.

Die Berliner Flughäfen haben seit dem Mauerfall und dem Beginn der Planungen für den Bau eines neuen Hauptstadt-Airports etliche Geschäftsführer verbraucht. Robert Grosch und Knut Henne waren gekommen, die zur Wendezeit schon die Flughäfen Tegel und Tempelhof geleitet hatten. Ebenso Wolfram Apitzsch und Matthias Prokoph, die letzten DDR-Chefs von Schönefeld. Götz Herberg fehlte ebenso wenig wie dessen Nachfolger Dieter Johannsen-Roth und eigens aus München war Thomas Weyer eingeflogen, der heute an der Spitze des dortigen Flughafens steht, den die Lufthansa zu ihrem zweiten Drehkreuz gemacht hatte, weil in Berlin nichts lief.

Internationaler Club in Westend
Der Internationale Club in Berlin-Westend war früher ein britischer Club, in dem das Spitzenpersonal der Alliierten Whisky trank. Zum Gelände gehört ein auch Swimmingpool.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: Thilo Rückeis
15.08.2011 14:16Der Internationale Club in Berlin-Westend war früher ein britischer Club, in dem das Spitzenpersonal der Alliierten Whisky trank....

Fernab vom unfertigen BER, aber nur wenige Autobahnkilometer von Mehdorns zweitem Amtssitz in Tegel wurde im von „Lutter & Wegner“ bewirtschafteten Clubrestaurant Gänsebraten aufgetischt. Der Ort bot die passende Kulisse, um in Erinnerungen zu schwelgen. Bis 1994 trafen sich hier die Offiziere der britischen Schutzmacht, die in Gatow einen eigenen Airport unterhielt. Bis heute ist Prinz Charles der Schirmherr des Clubs. Ganz ohne Politiker oder sonstige Aufsichtsratsmitglieder gab man sich harmonisch, verlautete aus Teilnehmerkreisen. Da spielte keine Rolle mehr, wer einst wen gefeuert hatte. Auch auf Schuldzuweisungen bezüglich der BER-Misere wurde verzichtet, während man gemeinsam beklagte, dass es mit dem neuen Flughafen nicht schneller vorangeht.

In seiner Begrüßungsrede ging Mehdorn dann nach Tagesspiegel-Informationen aber doch auf das Drama um den BER ein. Mehr als dass „ein relativ klarer Plan“ bestehe, konnten seine Vorgänger dem Flughafendirektor jedoch nicht entlocken. Bezüglich eines neuen Eröffnungstermins gebe es „Überlegungen“, die aber noch „konkretisiert“ werden müssten. Um Rat hat Mehdorn seine altgedienten Kollegen nicht gefragt. Aber das hatte wohl auch niemand erwartet – auch nicht Robert Grosch, der als Ältester die Begrüßung erwiderte. Für Mehdorn haben solche Treffen Tradition. Schon als Chef von Heidelberger Druckmaschinen, Deutscher Bahn und Air Berlin habe er seine Vorgänger stets zum Weihnachtsessen gebeten, erfuhren seine erstaunten Gäste.

Autor

64 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben