Berlin : Weihnachten in Berlin: "Ick jrüße dir, Maria, du Hochbejnadete"

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Bei der Suche nach Geschenken fällt dem Rast- und Ratlosen immer wieder auf, dass es scheinbar nichts mehr gibt, was es nicht schon gibt. Ganz bescheiden versteckt sich da ein schmales Bändchen auf einer kleinen Insel inmitten der schier unendlichen Bücherflut. Bei dem merkwürdigen Ding für neun Mark achtzig handelt es sich um "Die Berliner Weihnachtsgeschichte" - in (manchmal durchaus abenteuerliche) Mundart übersetzt von Gerda Gränzig, aus dem Mundart-Verlag M. Naumann aus Nidderau. Auf zehn Seiten erzählen uns in dem Büchlein die Herren Matthäus und Lukas als "echte Berliner", wat et det denn nu mit det liebe kleene Jesulein so auf sich hatte - damals, "als Quirinius Statthalta von Syrien war".

Also: Zuerst schickt Gott den Engel Gabriel nach Nazareth zu Maria. "Der Engel kam in Marias Stube un sachte: Ick jrüße dir, Maria, du Hochbejnadete. Jott hat dir unta all den Frauen ausjesucht, weila dir besondas in seen Herz jeschlossn hat". Die Maria ist erschrocken. Das merkt der Engel natürlich sofort: "Nu hab ma keene Angst!", beruhigt er sie, "Du hast Jnade bei Jott jefundn un wirst schwanga werdn, un dit wird n Sohn, dem du den Namen Jesus jebm sollst". Nun scheint Maria natürlich total verwirrt. Das Mädel ist ja nicht auf den Kopf gefallen: "Nee, also weeßte - wie solln dit jehn? Wo ick doch noch nie mit n Mann so dichte zesamm war, dit ick n Kind kriejn könnt". Auf diesen berechtigten Hinweis scheint der Engel nur gewartet zu haben. Seine Antwort klärt alles: "Der Heilje Jeist un Jottes Kraft werdn bei dir sein. Deswejen wird ooch dein Sohn heilich sein ... Für Jott is nüscht unmöchlich!". Mit einem schlichten: "Is jut!", verabschiedet die Jungfer Maria den Engel, nicht ohne ihm zu versichern: "Allet soll so sein, wie du dit zu mir jesprochen hast".

Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt; kaum in Bethlehem angekommen, "krichte Maria ihr Kind". Ihr verschlägt es fortan die Sprache, "Maria bewahrte allet in ihr Herz un dachte imma wieda drüba nach". Wir unsererseits denken immer wieder darüber nach, auf welche Ideen Autoren und Verlage kommen: Nicht nur für Jott scheint eben nüscht unmöchlich.

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