• Weihnachten unterm Halbmond Wie die türkischen Blätter über das Fest der Christen berichteten

Berlin : Weihnachten unterm Halbmond Wie die türkischen Blätter über das Fest der Christen berichteten

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Ausgerechnet ein Tag vor Heiligabend brannte im hessischen Usingen eine Moschee. Die türkischen Blätter zeigten daher am Freitag ausnahmslos die Bilder von dem ausgebrannten Gebetshaus. „Sieht so gelebte Toleranz aus?“, fragte die religiöse Tageszeitung Türkiye in der Überschrift ihres SeitenAufmachers. „Welcher Spinner war das?“, schrieb die Hürriyet in der Überschrift ihrer bebilderten Nachricht.

Ansonsten standen auch die türkischen Blätter während der Feiertage im Zeichen des Friedens und der Nächstenliebe. Der Reiseveranstalter Vural Öger hatte Heiligabend in allen großen Tageszeitungen eine fast ganzseitige Anzeige geschaltet, auf der ein geschmückter Weihnachtsbaum zu sehen war. Darüber stand auf Türkisch „Glückliches neues Jahr“ und darunter auf Deutsch: „Ein frohes Weihnachtsfest“. Die Türkiye veröffentlichte Heiligabend eine Ansprache des türkischen Botschafters, Mehmet Ali Irtemcelik. Dieser forderte mehr Schutz für die Moscheen in Deutschland und richtete sein Grußwort auch an die Deutschen: „In diesem Sinne wünsche ich der christlichen Welt ein frohes Weihnachtsfest.“ Die Hürriyet veröffentlichte einen übersetzten Auszug aus der Weihnachtsansprache von Bundespräsident Horst Köhler: „Mut zu Reformen.“ Die Hürriyet wählte die Passage, in der es um die Zukunft der Kinder und um Eigeninitiative geht: „Ich bin zuversichtlich: Es wird gut ausgehen, wenn wir den Mut finden, uns auf die Kraft der Freiheit und Mitmenschlichkeit zu besinnen.“

Auch an den folgenden Tagen – die türkischen Zeitungen erschienen täglich – stand das Fest der Christen im Mittelpunkt. Die Milliyet zeigte Aufnahmen aus mehreren Kirchen in Istanbul. „Das ist nicht eine Moschee, sondern eine Kirche“, schrieb die Zeitung dazu, weil in einer der Kirche einige muslimische Frauen, die Kopftücher trugen, den Gottesdienst verfolgten. Die Hürriyet zeigte Familie Yaman aus München vor einem Weihnachtsbaum: „Wir haben Bescherung gehabt.“ In den Unterzeilen erklärte die Zeitung: „Viele Muslime haben aus Respekt vor der Tradition der Christen in ihren Wohnungen Weihnachtsbäume aufgestellt. Die Kinder haben sich über Geschenke gefreut.“ Im Text erklärte die Familie, warum sie Weihnachten feiert. „Die Kinder sehen die Geschenke ihrer deutschen Freunde und wünschen sich auch solch ein Fest.“ Suzan Gülfirat

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