Berlin : Weihnachtsgeschäft: Wettertief bringt Umsatzhoch

Annette Kögel

Die ersten Schneeflocken dieses Winters kamen Berlins Geschäftsleuten am vierten, umsatzstärksten Einkaufssonnabend vor der Bescherung gerade recht: Endlich Weihnachtsstimmung, das Geschäft zog an. So herrschte in den Läden Hektik und Enge - erstmals auch so richtig in den Abteilungen mit Skisportartikeln und Winterkleidung. Gut gingen ohnehin schon Plüschtiere, Handys und Schmuck. Der Gesamtverband des Einzelhandels sieht beim Weihnachtsgeschäft 2000 im Vergleich zum Vorjahr sogar eine "leicht steigende Tendenz". Auch deshalb, weil zunehmend Touristen Geschenke aus Berlin mit nach Hause nehmen.

Wie Ella Fizke aus Bremen. Die 16-Jährige stöberte an der Tauentzienstraße mit ihrem Vater Klaus Nagel bei Libro in Büchern. Derweil freuten sich Chan Lee Peng und Ooi Peidi aus Malaysia über ihre Kerzenpyramide - Souvenir und Geschenk aus Berlin.

"Gerade am Kurfürstendamm und am Potsdamer Platz spüren wir, dass viele Touristen in der Stadt sind", sagt Jan Holzweißig, Referent beim Gesamtverband des Einzelhandels. Mit dem gestrigen Schmuddelwettertag habe das Weihnachtsgeschäft "angezogen", die Textilbranche verspüre bei den Umsätzen eine Besserung. Wenn der 24. 12. nicht auf einem Sonntag gefallen wäre, an dem nur Lebensmittelläden bis 13 Uhr verkaufen dürften, wäre es wohl noch besser.

Der Wäschespezialist Hunkemöller hat seine Filiale im Europacenter erst seit knapp drei Wochen geöffnet, doch seitdem wird ein Geschenk nach dem anderen in Papier mit Schleife gepackt. Ob der "Aqua Bra", ein BH, in dem durch Körperwärme schmelzendes Paraffinöl bei der Oberweite dicke aufträgt, oder seidene Nachthemden: "Zu Weihnachten geht alles, was elegant und edel aussicht", sagt Filialleiterin Inga Thomman. Mal gönne sich die Dame selbst etwas, mal nutzten die Herren die Feiertage, um bei der Erotik nachzuhelfen.

Viel wird mit "Taxfree"-Coupon verkauft, Kunden aus Russland, Polen, Kanada und Finnland holten sich die Mehrwertsteuer am Zoll wieder. Was geht noch in diesem Jahr? Ein Blick in die Weihnachtsbuden am Zoo und am Alex zeigt: Handyhüllen, Kickboards (Roller) und T-Shirts mit Aufdrucken von "Zicke" über "Grüße aus Berlin" bis zu "Big Brother".

Bei Saturn am Alex steht die Kundschaft in langen Schlangen an, im Kaufhof gegenüber fühlt man sich an die Tokioter U-Bahn erinnert. Kaufhof-Geschäftsführer Konrad Kalks rechnet damit, trotz des lange zu warmen Wetters den Vorjahresumsatz nun doch noch zu halten. "Die innere Uhr war bislang durch die frühlingshaften Temperaturen nicht auf Weihnachten eingestellt."

Dass nicht nur elektronische Notizbücher und Computerspiele gekauft werden, sondern auch klassisches Spielzeug wie Bauernstübchen, bestätigt Dagmar Flade vom KaDeWe. Viele der 180 000 Besucher am Sonnabend (an einem durchschnittlichen Tag sind es 100 000 weniger) nahmen Plüschtiere, Stoffpuppen und Holzspielzeug mit. Besonders beliebt: Die Brettspielvariante des Fernsehratespiels "Wer wird Millionär?".

Ein Umsatzvergleich mit dem Vorjahr? Wegen des damaligen Millennium-Trubels sei das so nicht möglich.

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