Weihnachtsmärkte eröffnet : Die Glühweinsaison ist eingeläutet

Berlin gilt als die Stadt mit den meisten Weihnachtsmärkten in Deutschland – und die mit den unterschiedlichsten Rummel am Rathaus, Schlemmen am Gendarmenmarkt, Königliches für Kinder vor dem Schloss: Es gibt, was das Herz begehrt.

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Einer von vielen. Sieben Meter misst der Plastikweihnachtsmann auf der Schlossstraße in Steglitz – Symbol für die Saison der Adventsmärkte, die ab heute eingeläutet ist. Jetzt locken die Budenstätten in der Hauptstadt wieder mit Glühwein, Bratwurstduft und Geschenken. Rund 90 Märkte sollen es dieses Jahr sein. Foto: dpa/Vogler
Einer von vielen. Sieben Meter misst der Plastikweihnachtsmann auf der Schlossstraße in Steglitz – Symbol für die Saison der...Foto: dpa

Joseph Nieke weiß genau, was er will: „Windstille, Sonne und Temperaturen zwischen fünf Grad plus und fünf Grad minus.“ Und das natürlich von jetzt bis Weihnachten. „Letztes Jahr waren wir ja ganz schön gebeutelt von Terrorwarnungen und dem schlechten Wetter.“ Joseph Nieke trägt einen grauen Tirolerhut und sieht mit seinem Bauch, der knubbeligen Nase und dem freundlichen Grinsen im Gesicht wie ein Weihnachtsmann ohne Bart aus. Wie passend, dass er einen Weihnachtsmarkt betreibt, und zwar den am Opernpalais in Mitte. Mit seinem Wunsch nach gutem Wetter ist er nicht allein. Die Betreiber der rund 90 Weihnachtsmärkte in Berlin, die ab dem 21. November ihre Stände öffnen, werden ebenfalls hoffnungsvoll zu sämtlichen bekannten Wettergottheiten beten. Und auch die Besucher werden sich klares Weihnachtsmarktwetter wünschen, damit sie Glühwein, Mandel- und Bratapfelduft genießen können. Doch welcher der vielen etablierten Weihnachtsmärkte in Berlins City Ost oder West ist für wen der richtige?

DER TIERISCHE

Eigentlich gehören ja Ochs und Esel zu einer richtigen Krippe. Auf dem Weihnachtsmarkt am Opernpalais besteht die tierische Ausstattung der „lebenden Krippe“ aber aus den beiden Ziegen Lieschen und Schnucki und dem Pony Philipp. „Wir hatten mal einen Esel, aber den konnte man dann nicht mehr bewegen, die Treppen zur Terrasse am Opernpalais hochzusteigen“, sagt Marktbetreiber Joseph Nieke. Pony Philipp ist da pflegeleichter. Und Maria, Josef und Jesus gucken sich aus ihren Schaufensterpuppenaugen noch viel geduldiger als das Pony das Treiben um die 180 Stände rund ums Opernpalais an. Der Markt findet in diesem Jahr schon zum 20. Mal statt. Allerdings unter erschwerten Bedingungen: Gleich nebenan wird die Staatsoper umgebaut. Deshalb ist er zu einem großen Teil auf den Schinkelplatz ausgewichen. „Da haben wir uns dieses Jahr mal etwas erlaubt: einen schwebenden Weihnachtsmann, der dreimal pro Tag über den Markt fliegt“, sagt Nieke. Fliegen ist vielleicht etwas übertrieben: Der Schlitten samt Rentieren wird unter lauten Motorengeräuschen an einer Art Seilbahn durch die Luft gezogen. Vom 23. November (16 Uhr) bis 26. Dezember kann man seine Kälteresistenz hoch oben in der Luft bewundern. Der Markt ist Montag bis Donnerstag von 12 bis 21.30 Uhr geöffnet, Freitag bis Sonntag geht’s schon um 11 Uhr los.

DER ERLEUCHTETE

Eigentlich sind immer Buden rund um die Gedächtniskirche aufgebaut. Aber niemals so viele wie zu Weihnachten. Mehr als 100 Holzhäuschen stehen vom 21. November an auf dem Breitscheidplatz. Und jeder, der in die Kirche möchte, wird von zehn verschiedenen Glühweinvarianten in Versuchung geführt, sich doch stattdessen weltlichen Genüssen hinzugeben – mit dem Segen von des evangelischen Bischof Markus Dröge, der am Montag um 15.30 Uhr mit einer Andacht den Weihnachtsmarkt eröffnet. Am Dienstag ist ganz in der Nähe schon wieder Prominenz angesagt: Dann feiert dort der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit auf dem Joachimsthaler Platz, dass die Wall AG, wie jedes Jahr, die hellen Lichter der großzügigen Festbeleuchtung am Ku’damm anschaltet. Der Markt am Breitscheidplatz, auf dem in diesem Jahr ein feuerspuckender Weihnachtsbaum stehen soll, ist bis zum 1. Januar Sonntag bis Donnerstag von 11 bis 21 Uhr geöffnet, Freitag und Sonnabend bis 22 Uhr.

DER NORDISCHE

Gebackene Seelen, Absinth, eine Mantelheizung, eine Jurte und eine Schiffsschaukel: Der Lucia-Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg ist vielen der liebste, weil er so anders ist. Eben eher wie in Schweden. Zwischen den Klinkerhallen werden an 40 Verkaufsständen zwar Handschuhe, Weihnachtsschnickschnack und Glühwein verkauft, aber eben auch Glögg. Auch der Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei öffnet am 21. November. Bis zum 22. Dezember kann man hier Montag bis Freitag von 15 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag von 13 bis 22 Uhr bummeln und einkaufen.

DER PROFESSIONELLE

Der Ärger mit gut gewachsenen Weihnachtsbäumen hat in Berlin Tradition. Seit gestern steht ja eine norwegische Krücke vor dem Brandenburger Tor. Zuvor war es offenbar schon schwierig, einen geeigneten Baum für den Gendarmenmarkt zu finden, dessen Zweige über den Herrnhuther Sternen der weißen Zelte thronen sollte. Zum guten Ende fand sich aber ein Berliner, der seine Riesentanne zur Verfügung stellte. Nun ist alles in bester Weihnachtsordnung. Vom 21. November bis 31. Dezember ist der Prachtbaum dort zu bewundern – auf einem Weihnachtsmarkt, den viele nicht nur seiner weißen Zelte wegen für den schönsten der Stadt halten. Dort ist täglich von 11 bis 22 Uhr geöffnet, der eine Euro Eintritt ist für das Bühnenprogramm.

DER KÖNIGLICHE

Wer über den Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Charlottenburg bummelt, darf sich ein bisschen königlich fühlen. Wer vor dem angestrahlten Schloss Glühwein oder heiße Schokolade trinkt, denkt, er sei in eine andere Zeit versetzt, so prächtig ist die Kulisse. Und direkt vor der Kleinen Orangerie gibt es einen „Königlichen Weihnachtsmarkt für Kinder“ – ganz ohne Verkaufsangebote und Alkoholstände. Auch der Tagesspiegel hat vor dem Schloss einen Stand, in dem es Geschenke aus dem Shopangebot gibt. Der Markt ist von 21. November bis 26. Dezember geöffnet, Montag bis Donnerstag von 14 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag von 12 bis 22 Uhr.

DER BUNTE

Neben dem Fernsehturm, rund um den Neptunbrunnen, dreht sich das 50 Meter hohe Riesenrad auf dem Markt „Berliner Weihnachtszeit“. Wer sich trotz Glühweins noch nicht zu unsicher auf Kufen fühlt, kann sich auf die 600-Quadratmeter-Schlittschuhbahn begeben – gratis für alle, die ihre Schlittschuhe mitbringen, sonst für vier Euro Leihgebühr. In den Laufpausen bringt ein Mann im Eisbärkostüm die Bahn in Ordnung und sorgt für Unterhaltung. Auch hier gibt es Tiere, und ein Weihnachtsmann wird zum Hochseilartisten. Vom 21. November bis 26. Dezember ist geöffnet, Montag bis Freitag von 12 bis 22 Uhr, Sonnabend und Sonntag ab 11 Uhr.

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