Weihnachtsmärkte : Frühes Fest!

Lebkuchen Ende August und Adventsdeko Mitte November: Der Weihnachtsrummel dauert immer länger. Der erste Markt hat schon geöffnet - entgegen den Absprachen. Sollte es Grenzen geben? Diskutieren Sie mit!

Cay Dobberke
weihnachtsmärkte
An vielen Orten in der Stadt stehen schon Buden. -Foto: Heerde

Dass Lebkuchen und anderes weihnachtliches Backwerk schon im Spätsommer die Supermarktregale füllt, sind die Kunden gewohnt, auch wenn es nicht allen gefällt. Spätestens Anfang November bieten dann Kauf- und Möbelhäuser, Blumenläden, Drogerieketten und Papierwarenläden immer mehr Adventskalender, Christbaumschmuck, Geschenkartikel und Weihnachtskarten an. Zumindest bei Weihnachtsmärkten und der Adventsbeleuchtung gilt eigentlich die Regel, dass damit erst nach dem Totensonntag begonnen werden soll, der diesmal auf den 23. November fällt. Doch immer wieder gibt es Ausreißer: Der Weihnachtsmarkt am Bahnhof Gesundbrunnen ging, wie berichtet, bereits am Freitag los.

Auch der „Markt der Kontinente“ in den Dahlemer Museen ignoriert den Kirchenkalender. Der Multikulti-Adventsmarkt mit Weltmusik und Kunsthandwerk startet am 22. und 23. November mit einem „Europa-Wochenende“, öffnet also sogar am Totensonntag. Die Gründe sind unklar. Ein Mitarbeiter des Besucherdienstes der Staatlichen Museen wies darauf hin, dass der Markt nur an Wochenenden stattfinden könne.

Der Weddinger Weihnachtsmarkt zumindest bleibt am heutigen Volkstrauertag und am Totensonntag geschlossen. Beschwerden über den frühen Beginn gebe es nicht, sagt der Veranstalter und Betreiber des „DB Service-Store“ am Hanne-Sobek-Platz. Viele Anwohner gehörten keiner christlichen Kirche an und hätten angeregt, noch früher anzufangen. Das Bezirksamt Mitte sieht sich machtlos, da es sich nicht um öffentliches Straßenland, sondern um ein Bahngelände handelt.

Der Schaustellerverband hat eine klare Linie: „Wir halten uns an die kirchlichen Gegebenheiten“, sagt Sprecher Christian Wagner. Die Mitglieder öffneten ihre Weihnachtsmärkte frühestens am 24. November. Man könne „vielleicht darüber streiten“, ob die seit 1. November geöffnete „Winterwelt“ am Potsdamer Platz mit Eisbahn, Rodelpiste und österreichischen Spezialitätenbuden bereits weihnachtlichen Charakter habe. Offiziell beginnt auch dort erst nach Totensonntag ein Weihnachtsmarkt.

In Charlottenburg-Wilmersdorf bekommt Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte (SPD) „immer wieder Anfragen“ von Marktbetreibern, die den Totensonntag nicht abwarten wollen. Sofern es um öffentliche Plätze gehe, „haben sie bei uns keine Chance“. Eine Vorschrift, die Weihnachtsmärkte vor dem Advent untersagt, existiert nicht – nur Volkstrauertag und Totensonntag sind nach dem Berliner Ladenöffnungsgesetz tabu. Bezirksämter nutzen aber ihren Ermessensspielraum, um vorgezogene Märkte abzulehnen.

Der Handelsverband ruft jährlich dazu auf, Weihnachtsbeleuchtungen in Einkaufsstraßen erst nach dem Totensonntag einzuschalten. „Alles hat seine Zeit! Advent ist im Dezember“, heißt das Motto. „Es tut der Seele und auch dem Geschäft gut, wenn wir nicht alles ausfransen lassen“, sagt Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen. Er fände es „nicht geschmackvoll“, würden Straßen am Totensonntag bunt erstrahlen.

Etwas anderes sei die Innengestaltung oder Schaufensterdekoration. Hier gebe es einen gewissen Vorlauf, weil „man nicht über Nacht alles umdekorieren kann“, so Busch-Petersen. Deshalb hat das KaDeWe zum Beispiel bereits seinen „Zauberwald“ eröffnet, in den Schaufenstern soll die Weihnachtsdeko kommende Woche fertig sein.

Bei Marktzeiten und Weihnachtsbeleuchtungen gebe es einen breiten Konsens, heißt es beim Erzbistum Berlin und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Erfreulicherweise „funktioniert das in den meisten Fällen“. Dennoch waren auf dem Ku’damm und in der Tauentzienstraße schon vereinzelte Bäume mit brennenden Glühbirnen und eine leuchtende Rentier skulptur zu sehen. Doch die Firma Boehlke Beleuchtungstechnik, die den Boulevard für die AG City und den Sponsor Wall AG weihnachtlich in Szene setzt, gab Entwarnung: „Das sind nur Tests.“

Was meinen Sie? Darf es Weihnachtsrummel erst nach Totensonntag geben? Oder sind Sie gegen die Absprache? Diskutieren Sie mit! Nutzen Sie dazu die Kommentarfunktion unter dem Artikel!

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