Weihnachtsmärkte in Berlin : Warmer Winter? Darauf einen Glühwein!

Bis jetzt ist der Winter mild. Doch die Weihnachtsmärkte leiden nicht unter den Temperaturen. "Nach zwei Glühwein ist den Leuten sowieso warm", heißt es in der City West.

Florian Brand
Trotz der milden Temperaturen ist es weihnachtlich.
Trotz der milden Temperaturen ist es weihnachtlich.Foto: dpa

Bei elf Grad im Schatten und strahlendem Sonnenschein wirft Karl-Christian König an diesem Tag die ersten Würstchen auf den Grill und erhitzt den Glühwein. Drei Tage vor Heiligabend ist noch immer kein Schnee in Sicht, der Wintereinbruch vor einigen Wochen war eben nur eine Mogelpackung. Die Temperaturen sind wieder gestiegen, da wirkt der Name der Imbissbude auf dem Mittelstreifen von Unter den Linden wie ein Witz: „Berlin on Ice“. Vorweihnachtliches Gefühl kommt denn auch bei dem ehemaligen Rennradprofi angesichts des fehlenden Schnees nicht auf. „Die Bilanz ist schlecht“, klagt er und blickt zur Baustelle gegenüber.

Seit Unter den Linden gebaut wird, sei der Umsatz massiv eingebrochen. 500 Leute täglich kämen unter der Woche zum Stand, am Wochenende auch schon mal bis zu 2000. Dadurch gehen pro Woche im Schnitt 80 Liter Glühwein und rund 400 Bratwürstchen über den Tresen. Früher waren es allerdings deutlich mehr.

Weihnachtsmarkt in der City West - "Die Leute trinken nicht weniger"

Aber das liegt nach seiner Einschätzung nicht am warmen Wetter. „Es ist zwar schade, dass kein Schnee liegt, aber für den Umsatz eher gut. Solange es trocken und warm ist, verlassen die Leute das Haus und bleiben länger draußen.“ Trotzdem würde es dem Stand ohne die angrenzende Eisstockbahn wesentlich schlechter gehen. „Das zieht natürlich Interessierte an. Und Menschenmengen ziehen magnetisch noch mehr Menschen an.“

Berlins schönste Weihnachtsmärkte
Der Klassische. Ein Nikolaus mit echten Rentieren, eine Weihnachtskrippe mit lebensgroßen Holzfiguren und natürlich die Kulisse des angeleuchteten barocken Schlossgebäudes verleihen dem Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Charlottenburg eine besondere Stimmung. Auf Rummel und Dauerbeschallung wird bewusst verzichtet, stattdessen gibt es bei 250 Anbietern Kunsthandwerk und Leckereien. Auch in diesem Jahr verkauft der Tagesspiegel wieder im goldenen Weihnachtszelt Produkte aus dem Shop. Für Kinder gibt es einen eigenen Bereich vor der Kleinen Orangerie, wo es weder Verkaufsbuden noch Stände mit Alkohol gibt, dafür aber Pferdekarussell, Riesenrad, Luftschaukel und Miniachterbahn.  23.11.–26.12., Montag bis Donnerstag 14 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 12–22 Uhr, Weihnachtsfeiertage 12–20 Uhr, Heiligabend geschlossen. Eintritt frei.Alles rund um Weihnachten - vom Glühweinrezept bis zum Geschenktipp - finden Sie auf unserer Sonderseite unter: weihnachten.tagesspiegel.deAlle Bilder anzeigen
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23.11.2015 14:27Der Klassische. Ein Nikolaus mit echten Rentieren, eine Weihnachtskrippe mit lebensgroßen Holzfiguren und natürlich die Kulisse...

Auch für Patricia Kurowski, Sprecherin des Weihnachtsmarktes auf dem Breitscheidplatz, der vom Schaustellerverband betrieben wird, spielt das Wetter in der Vorweihnachtszeit eher eine untergeordnete Rolle für den Umsatz. „Es ist nicht so, dass die Leute weniger trinken“, sagt sie. Die Bilanz sei gleichbleibend, aber es fehle die weihnachtliche Stimmung. „Nach zwei Glühwein ist den Leuten sowieso warm – ob es draußen kalt ist oder nicht.“

Einen massiven Einbruch bei warmen Getränken verzeichnet unterdessen der „Nostalgische Weihnachtsmarkt“ am Opernpalais in Mitte. Doch nicht nur hier, sagt Veranstalter Joseph Nieke. Auch Verkäufer von Winterkleidung wie Wollmützen oder Wollsocken hätten bei den aktuellen Temperaturen Absatzeinbußen hinzunehmen. Den Verlust gleiche sich jedoch an anderer Stelle wieder aus, sagt Nieke. So gingen in der frühlingshaften Vorweihnachtszeit Fruchtcocktails ganz gut über die Tresen .

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