Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche : Die Weihnachtstanne kommt aus ...

In Mahlsdorf, wo die Häuser flach und die Tannen hoch sind, wurde Berlins Weihnachtstanne gefällt. Ein Ortsbesuch.

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Big Spender. Carsten Starick (rechts) spendierte seine 39 Jahre alte Douglasie, die zur Geburt von Cousin Dirk Brehmer gepflanzt wurde. Jetzt ließen sie den Baum aus Mahlsdorf zum Breitscheidplatz ziehen, wo er am Mittwoch aufgestellt wird.
Big Spender. Carsten Starick (rechts) spendierte seine 39 Jahre alte Douglasie, die zur Geburt von Cousin Dirk Brehmer gepflanzt...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Nachdem die Arbeiter das Loch in Carsten Staricks Mahlsdorfer Garten gemacht haben, setzt er sich auf den Stumpf, der von dem Baum übrig blieb. Von dort sieht er den Bungalow, in dem seine Schwiegereltern lebten, und er sieht den Kran, der die Douglasie über den Gartenzaun hebt. Am Mittwoch wird sie auf dem Breitscheidplatz stehen, als Berlins Weihnachtsbaum.

Ein paar Minuten früher steht Starick in dem Garten an der Mahlsdorfer Bachstraße. Dort, wo Berlin endet und Brandenburg beginnt und wo seine Schwiegereltern 1977 feierten, dass ihr Neffe geboren wurde. Sie pflanzten eine Douglasie.

Der Neffe, Dirk Brehmer, steht neben Starick. Er sagt, es gab Jahre, da überragte er den Setzling. Aber bald überragte ihn die Douglasie. Heute steht der Baum 25 Meter hoch zwischen den Mahlsdorfer Flachbauten.

"Warum spenden wir den Baum nicht?"

„Wenn es stürmte, hatte ich Angst, der Baum könnte fallen“, sagt Starick. Die Schwiegereltern starben vor zehn Jahren, seine Frau und er erbten das Grundstück. Die warmen Tage verbringen sie hier, das Haus sei „nicht wirklich winterfest“. So sitzt Starick vor zwei Jahren im Sommer auf der Terrasse und denkt, warum spenden wir den Baum nicht?

Er liest davon, dass der Schaustellerverband einen Weihnachtsbaum für den Breitscheidplatz sucht. Starick fotografiert die Douglasie, schreibt eine Mail. Und es passiert nichts. Ein Jahr später schickt Starick erneut eine Mail. Jemand sagt ihm ab. „So viel schönere Bäume kann ich mir nicht vorstellen.“

Holzspäne schneien auf die Köpfe der Männer

Irgendwann im Juni klingelt sein Telefon. Herr Starick, steht das Angebot noch? Starick sagt, natürlich. Ein paar Wochen später steht der Chef der Schausteller, Michael Roden, im Garten. Er sagt, so einen schönen Baum habe er selten gesehen.

Also kraxelt am Dienstagmorgen ein Arbeiter den Baum in Staricks Garten hinauf, legt eine Schlaufe um den Stamm. Dann bindet er sich mit einem Strick um den Baum. Mit den Beinen drückt er seinen Körper ab und schneidet mit einer Motorsäge in die Rinde. Späne schneien auf die Köpfe der Arbeiter, die unter dem Baum stehen. Es dauert keine zehn Minuten, dann zieht der Kran den mächtigen Baum empor.

Ein Nachbar schiebt die Gardinen in seinem Fenster zur Seite, ein anderer steht in der Einfahrt, die Hundeleine in der einen, das Smartphone in der anderen Hand.

Abschied nehmen vom Weihnachtsbaum

Sie sehen, wie der Kran den Baum über den Lastenhänger senkt. Männer ziehen an Stricken, die um den Baum gebunden sind. Warten. Moment. „20 nach links.“ „Jetzt müsst ihr drücken.“ Der Baum hängt vor dem Arbeiter. Er sägt erst die Äste ab, schneidet den Stamm dann zu einem Keil.

Dort wo die Holzspäne landen, wird am Mittwochmorgen die Polizei stehen. Schwertransport. Der wird den Baum in Berlins Mitte bringen, wo die Häuser höher und die Bäume flacher werden. Dort, am Breitscheidplatz, zwischen altem und neuem Kirchturm, soll der Baum stehen.

Starick will ihn besuchen, bevor der Weihnachtsmarkt beginnt. Dazu hat er die Familie eingeladen. Bevor die Schausteller am 21. November ihre Buden aufsperren, wollen sie die Douglasie verabschieden. Über den Weihnachtsmarkt geht Starick selten. Er sagt: „Dieses Jahr wird es wohl häufiger werden.“

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