Berlin : Weihnachtssingen in Gebärdensprache

Damit Gehörlose unbeschwerter leben: Der Tagesspiegel bittet um Spenden

Viola Volland

Patrick formt seinen Mund zu einem großen „O“, dann macht er vor seiner Brust mit den Händen eine schnelle Zickzackbewegung nach unten. Patrick singt „O Tannenbaum“ in Gebärdensprache. Lautlos. Das Publikum schwingt die Arme in die Luft und wedelt mit den Händen. So applaudieren Gehörlose. Es ist Weihnachtsfeier bei der „Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen in Berlin e.V.". Auf den Tischen im Gehörlosenzentrum an der Friedrichstraße liegen Tannenzweige. Weihnachtsteller sind mit Keksen, Stollen und Nüssen gefüllt.

Seit 30 Jahren setzt sich der gemeinnützige Verein für Gehörlose ein. Er betreibt eine Beratungsstelle, einen Kinderclub und sieben Wohngemeinschaften. Menschen, die zusätzlich zu ihrer Gehörlosigkeit auch noch geistig behindert, autistisch oder psychisch krank sind, haben hier ein Zuhause, einen Ort, an dem sie willkommen sind.

Für viele ist das eine ganz neue Erfahrung. Zum Beispiel Ina. Sie leidet an einer Sonnenallergie, weil ihre Eltern ihr als Kind verboten hatten, das Haus zu verlassen. Aus Scham. Jetzt sitzt Ina vor ihrem Weihnachtsgeschenk, einer kleinen Stoffmaus, und lächelt. Jeder Bewohner hat für einen anderen ein Wichtelgeschenk mitgebracht. Für wen, wurde vorher per Los entschieden.

Verteilt werden die Geschenke gerade von einem Weihnachtsmann. Zu jedem Geschenk hält der Mann mit dem Rauschebart ein dazugehöriges Namensschild hoch in die Luft. Manuela steht da, Reinhard, Jaqueline. Dann der Name Ingrid. Ein Finger geht hoch, aber es ist nicht Ingrid, die sich da meldet, sondern Dieter. „Dieter ist einer unserer Senioren“, sagt Heidrun Brix, die Geschäftsführerin der Gehörlosen-Gesellschaft. „Er meldet sich jedes Mal. Er kann nicht lesen und könnte ja etwas verpassen.“

Ingrid kann ihr Geschenk nicht entgegen- nehmen. Sie „macht ohne Auto nichts mit“, wie ihr Betreuer Marco Begon erklärt. Die lange Fahrt mit dem BVG-Bus von der Regerstraße im Grunewald bis in die Friedrichstraße ist zu anstrengend für die behinderte Frau. Im Juli hatte das Betreuer-Auto des Hauses in der Regerstraße einen Totalschaden. Seither sind die dort lebenden zehn Gehörlosen noch stärker isoliert. Besuche beim Arzt oder Treffen mit anderen Gehörlosen sind nur unter hohem Zeit- und Energieaufwand möglich. „Allein die Fahrt zum nächsten Supermarkt dauert mit dem Bus eine halbe Stunde“, sagt Begon. Die Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen wünscht sich deshalb zu Weihnachten Geld für den Kauf eines neuen Gebrauchtwagens. Damit Ingrid und ihre neun Mitbewohner besser am Leben teilhaben können.

Spenden bitte an den Tagesspiegel, Stichwort „Menschen helfen!“, Kontonummer 25 00 30 942 bei der Berliner Sparkasse mit der Bankleitzahl 100 500 00. Bitte geben Sie auf dem Beleg Namen und die Anschrift an, damit wir Ihnen den Spendenbeleg zuschicken können.

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