Berlin : Weihnachtstrauma

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Von David Ensikat

Weihnachten: Für Vati paar Socken, für Mutti paar Pralinen und gut. Denkt sich der Sohn, kauft für Vati die Socken, Baumwolle, Zehnerpack, warm und günstig, für Mutti die Pralinen, „1001 Weihnachtsträume“, große Schachtel, sieht gut aus, mit Goldschrift drauf und allem, auf so was steht die doch.

Dann der Hl. Abend. Vati bekommt seine Socken, der kennt das, der sagt „Danke“, der freut sich, dass er nicht überrascht tun muss.

Dann Mutti: „Mensch, Junge, war doch nicht nötig, tausendundeins Weihnachtsträume, wie festlich das klingt, und so groß. Nee, wirklich, richtig was Hübsches haste da deiner Mutter gekauft.“

Mutti dreht und wendet die schicke Schachtel, überlegt noch, ob man nun tausendundeins Weihnachtsträume sagt oder doch tausendundein Weihnachtstraum, (Vati hat schon wieder die Zeitung in der Hand, naja, isst man mal ein paar Träume auf), sie nestelt behutsam das Zukleberli ab, öffnet den Deckel, hebt das edle Deckpapier ab…

„Och, nö. Was is’n das? So wenig?“ Nie und nimmer reicht das für den ganzen Hl. Abend. „Mensch, Junge, und ich hab’ mich so gefreut…“

Das Fest ist gelaufen, die Pralinen sind schuld (letztes Jahr war’s die Debatte über Tante Birgit).

Gerichtstermin, heute, Freitag, 11 Uhr 30, Amtsgericht Tiergarten: „Lindt & Sprüngli“, gegen das Land Berlin. 650 000 Euro Strafe sollen die Pralinenbauer zahlen, weil im Falle des Produkts „1001 Weihnachtsträume“ das Verhältnis Pralinengramm ÷ Packungsmillimeter 1 ÷ 8,4 betrug. 1 ÷ 6 ist erlaubt, alles darüber sei „Mogelpackung“, sagt die Eichbehörde. „Lindt & Sprüngli“ will sich wehren. Weiß „Lindt & Sprüngli“, was übermäßiger Leerraum in deutschen Pralinenpackungen am Hl. Abend anrichtet?

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