WEINE des Monats : Zwei saftige weiße Deutsche

von
2010 LES GRANDES-MERES
2010 LES GRANDES-MERES

Die Weine der Nahe sind dem Amateur, falls der Kalauer erlaubt ist, ziemlich fern. Irgendwo zwischen Mosel und Rheinhessen? Tatsächlich trifft es das ungefähr, verdeckt aber, dass die hervorragenden Lagen rund ums pfälzische Bad Kreuznach Weine höchst eigenen Charakters hervorbringen, die zum aktuellen Idealbild des in aller Welt geschätzten deutschen Rieslings passen: feines Säurespiel, verschwenderische Fruchtaromatik, betonte Mineralik. Und neben Giganten wie Dönnhoff, Diel oder Schönleber treten immer neue Winzer auf die Bühne, aktuell mit Weinen des Jahrgangs 2012, bei dem in dieser Gegend alles gepasst hat.

Das Weingut Karlheinz Schneider &Sohn in Bad Sobernheim gehört zu diesen Aufsteigern, und ihr 2012 Schlossböckelheimer Riesling Vulkanstein trocken ist ein besonders saftiges, trinkanimierendes Beispiel: Als Jungwein mit überbordenden Primärfruchtaromen (weiße Früchte, Exoten!) bereits gut balanciert, weil er im traditionellen großen Holzfass ungewöhnlich lange auf der Hefe gelegen hat, und mit feinem Säurespiel und langem Finish. Hat viel Potenzial – aber wie könnte er diesen Sommer verschlossen überleben ...?

Auch unser Weißburgunder aus Rheinhessen macht viel zu viel Spaß, um im Keller vergessen zu werden. Die Rebsorte, die bei zu viel Hitze leicht in die Breite geht, brachte in diesem Jahr besonders schöne, filigrane Weine – fast ein Selbstläufer für die Brüder Johannes und Christoph Thörle, die mit ihrem 18 Hektar großen Weingut immer mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen und in den letzten drei Jahren zahlreiche wichtige Auszeichnungen abgeräumt haben, darunter auch die Prämierung „bester deutscher Spätburgunder“ bei einem Londoner Wettbewerb.

Wir bleiben aber bei ihrem weißen Gutswein aus den Saulheimer Bergen, dem 2012 Weißburgunder trocken. Die Raffinesse des Ausbaus zeigt sich in den Details: 94 Prozent des Mostes wurden in Edelstahl, der Rest im großen Holzfass spontan vergoren – es folgte eine viermonatige Lagerung auf der Vollhefe bis zur Abfüllung.

Viel Aufwand für einen Basiswein, aber er hat sich gelohnt: Das ist ein wirklich preiswerter Weißburgunder, der mit wunderbar cremigem Mundgefühl, vielschichtigen Aromen und spritziger Säure besticht. Bernd Matthies

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