Berlin : WEINE DES MONATS

Peter Scheib

COTES DE BOURG

Ausgereifter Bordeaux zum vernünftigen Preis

Nicht wenige Weinfreunde mit beschränktem Budget haben sich längst von Bordeaux verabschiedet – die Preispolitik der renommierten Güter ist nur noch für Oligarchen erträglich. Doch das bedeutet nicht, auf die Vorzüge guter Bordeaux-Weine zu verzichten, denn die gibt es ja auch in den niedriger bewerteten Randregionen, denen die Preisexplosion erspart geblieben ist. Cote de Bourg ist eine davon, am rechten Gironde-Ufer gegenüber der weitaus teureren Appellation Margaux gelegen. Die Qualität dieser meist überwiegend aus Merlot bestehenden Weine hat sich in den letzten Jahren durch bessere Weinbergsarbeit und stark reduzierte Erträge deutlich verbessert. Dafür steht ein Roter wie unser 2001 Chateau Repimplet Cuvée Amélie Julien, der sich sechs Jahre nach der Lese harmonisch präsentiert, leuchtend rubinrot, mit dezenten Holzaromen, dominiert vom Duft reifer roter Früchte und pikanten Kräuteranklängen, mit weich einhüllenden Tanninen. Jetzt ist er trinkreif und rund, kann aber sicher noch fünf Jahre reifen, ohne an Qualität zu verlieren. Nach zweistündigem Dekantieren spielt er seine Vorzüge übrigens noch prägnanter aus. Die Flasche kostet 12,50 Euro im Weing’schäft in der Bergmannstraße 16 in Kreuzberg.

ARGENTINIEN

Körperreicher Cabernet aus höchsten Lagen

Das Bordeaux-Prinzip funktioniert aber nicht nur in Frankreich. Fast alle klimatisch geeigneten Weinanbauländer arbeiten mit Cuvées aus Cabernet Sauvignon, Cabernet franc und Merlot, uns so versuchen auch die argentinischen Winzer, dieses weltweit erfolgreiche Rezept zu treffen. Die Voraussetzungen könnten kaum besser sein; dennoch gibt es nur wenige Erzeuger, die konsequent auf Qualität setzen. Zu ihnen gehört das Weingut Chañarmuyo in der Provinz La Rioja, die anders als ihr spanisches Gegenstück glühend heiß ist. Doch die Chañarmuyo-Reben wachsen in einer Höhe von 1720 Metern, wo die kühlen Nächte genügend Ausgleich schaffen – ideale Bedingungen für einen Wein wie den 2005 Chañarmuyo Estate Cabernet Sauvignon/Cabernet franc, der sich mit viel Körper, satten Aromen von schwarzer Johannisbeere und Schokolade und einem fast schon an Kokos erinnernden Barrique-Hauch sofort als Übersee-Variante der Bordeaux-Rezeptur zu erkennen gibt, aber dennoch elegant und eigenständig wirkt. Ein bemerkenswerter Wein für kleines Geld: Die Flasche kostet 7,50 Euro bei Vino fino am Salzufer 16 in Charlottenburg und bei Caminito in der Katzbachstraße 9 in Kreuzberg. Peter Scheib

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