Berlin : Weine des Monats

Peter Scheib

In der Entfernung wirken die Dinge meist größer, als sie sind. Ribera del Duero, das Weinanbaugebiet nördlich von Madrid, macht von Deutschland aus den Eindruck eines Giganten, nimmt man nur das Ausmaß lobender Berichterstattung. Dabei ist es mit nur 11200 Hektar Reben nicht einmal so groß wie die deutsche Region Mosel-SaarRuwer; noch vor 15 Jahren wusste außerhalb Spaniens kaum jemand, wo es liegt, obwohl doch hier die Wurzeln der Weinlegende „Vega Sicilia“ liegen. Der Grund des Erfolgs der Ribera-Winzer ist neben kompromisslosem Qualitätsstreben vor allem das klare Profil ihrer Weine: fast ausnahmslos rot, ganz überwiegend aus der Tempranillo-Traube, die hier „Tinta del Pais“ heißt und sich dem schroffen Klima auf den kargen Hochebenen bestens anpasst.

Sie eignet sich gut für den Barrique-Ausbau, hat Potenzial für Jahrzehnte, ist auch jung schon sehr zugänglich – und sie bringt in der Ribera besonders hohe Extraktwerte. Nur werden all diese Vorteile inzwischen oft mit extrem hohen Preisen erkauft, weil die Trauben immer knapper werden. Neben dem Vega wurden in den letzten Jahren rare, nahezu unbezahlbare Kultgewächse wie der „Dominio de Pingus“, „Alion“, „Janus“ oder „Hacienda del Monasterio“ platziert, und da verdient es schon besondere Aufmerksamkeit, wenn ein typischer Ribera-Wein zum bürgerlichen Tarif zu haben ist. Hier steht er: der 2002er Altos de Tamarón roble aus der Kellerei Pagos del Rey , der mit allein 8000 Barriquefässern größten der Region. Alles dran: Reife Fruchtaromen wie Brombeer und Kirsche, würzige Noten von Lavendel und Eukalyptus in der Nase, dazu am Gaumen gut eingebundenes Holz, Kraft und Charakter. Zum Osterlamm ein perfekter Begleiter. Die Flasche kostet 7,99 Euro , und zwar bei Lembkes Grand Cru in der Großbeerenstraße 30 in Mariendorf und der Rheinstraße 2-3 Steglitz, außerdem im Lindt-Shop im S-Bahnhof Friedrichstraße und in allen Karstadt- Lebensmittelabteilungen.

40 Jahre im Weingeschäft – das ist an sich ein Klacks in diesem traditionsträchtigen Gewerbe, wie man in Großbritannien oder Frankreich sehen kann, aber auch in Bremen oder Hamburg. Doch in Berlin gehen die Uhren schneller, und so kann die Familie Schmidt mit ihren fünf Läden stolz auf dieses Jubiläum sein: Am 1. April 1964 gründeten Edeltraut und Dietmar Schmidt ihren ersten Laden in der Neuköllner Sonnenallee. Und das Unternehmen hat sich aus diesem Anlass ein besonderes Geschenk gemacht: Juniorchef Carsten Schmidt nutzte die langjährige Geschäftsbeziehung zu dem renommierten Rheingauer Winzer Gunter Künstler, um mit ihm zusammen einen eigenen Wein auszubauen, der nun in Berlin nur bei Schmidt zu haben ist: der 2002er Künstler Riesling „Estate“.

Die Trauben für diesen eleganten Riesling stammen aus besten Hochheimer Lagen, die in England durch Queen Victorias Bekenntnis berühmt gemacht wurden: „Good Hock keeps off the doc“, sagte sie, guter Hochheimer hält den Doktor fern. Dieser (keineswegs medizinisch schmeckende) Wein duftet nach reifen Pfirsichen und Äpfeln, ist ausgeprägt mineralisch und balanciert perfekt ausgewogen zwischen frischer Säure und dezenter Fruchtsüße. Ein typischer Rheingauer wie er sein muss, ein Wein, der die fruchtlose Diskussion über Begriffe wie „trocken“ oder „halbtrocken“ gegenstandslos macht. Die Flasche kostet 6,95 Euro in den Schmidt-Filialen Curtiusstr. 9 in Lichterfelde, Sonnenallee 102 in Neukölln, Reichsstr. 6 in Westend und in der Oranienburger Straße 107 in Wittenau.

Im historischen Weinkeller in der Katzbachstraße 21, dem Firmensitz und Lager, findet am 2. Mai von 13 bis 19 Uhr auch das Jubiläumsfest „VinTage2004“ statt, zu dem rund 50 renommierte Winzer und Abgesandte großer internationaler Weinerzeuger erwartet werden. Marco Müller von der Weinbar Rutz wird von 18 bis 20 Uhr zu einem „Live-Cooking“ erwartet . Der Eintritt kostet 10, im Vorverkauf 8 Euro, der Erlös geht an die Berliner Krebshilfe.

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