Berlin : Weine zwischen Porsche und Goethe

Auftrieb für die besten deutschen Winzer: Kostproben bei der Herbstweinbörse am Potsdamer Platz

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Von Bernd Matthies

Deutsche Agrarier in freundlichem Schulterschluss mit ihrer grünen Ministerin? Ein seltenes Bild. Am Sonntag wurde es Realität im Debis-Forum am Potsdamer Platz. Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) eröffnete seine Herbstweinbörse, und VDP-Präsident Michael Prinz zu Salm-Salm flachste, Renate Künast habe ihr Motto „Klasse statt Masse“ offensichtlich von den deutschen Top-Winzern abgeschrieben. Am Ende gab es eine Magnum-Flasche Riesling aus Rheinhessen für die überaus freundlich gestimmte Ministerin – und den Eindruck, dass man sie in diesem Kreis auch künftig nicht ungern amtieren sähe.

Die Herbstweinbörse des VDP ist längst zu einem festen Termin auf dem Berliner Kalender geworden, und sie gewinnt auch selbst ständig an Bedeutung. Die weltberühmten Weinexperten Hugh Johnson und Michael Broadbent, als Ehrengäste dabei, sparten nicht mit freundlichen Worten, und die Winzer – etwa die Hälfte der 200 VDP-Mitgliedsbetriebe waren am Potsdamer Platz vertreten – freuten sich über nationalen wie internationalen Zuspruch.

Das Wochenende brachte den Weinfreunden in Berlin gleich mehrere Premieren. So wurden zum ersten Mal die „Großen Gewächse“ des vorzüglichen Weißweinjahrgangs 2001 vorgestellt, jene Weine also, die Salm-Salm als Spitzenprodukte „zwischen Porsche und Goethe“ ansiedelt, Weine aus den großen, seit Jahrhunderten bekannten Lagen am Rhein, am Main und in der Pfalz, aber auch erstmals ein Riesling vom Freyburger Edelacker an der Unstrut, der sich würdig einreihte. Das lange umstrittene Konzept der „Großen Gewächse“, das von Behörden und Funktionären lange bekämpft wurde, scheint sich allmählich durchzusetzen: In Hessen ist es bereits gesetzlich geregelt.

Eine weitere Premiere wurde bereits am Sonnabend Abend im „Brandenburger Hof“ gefeiert. Das Hotel-Restaurant „Quadriga“ stellte seine neue Weinkarte mit 850 ausschließlich deutschen Weinen vor, darunter auch ein Rheingau-Riesling aus dem 19. Jahrhundert („Preis auf Anfrage“). Sommelier Matthias Dathan hat immense Arbeit in dieses Projekt gesteckt, das nun von der gesamten Branche mit skeptischer Neugier beobachtet wird. Denn noch vor etwa 15 Jahren war es selbstverständlich, dass deutsche Spitzenrestaurants überhaupt keinen deutschen Wein auf der Karte hatten...Zusätzlicher Achtungserfolg für den VDP, der nach eigenem Selbstverständnis die qualitative Spitze des deutschen Weinbaus vertritt: Die Hilton-Hotels haben sich entschlossen, ihr deutsches Weinsortiment nur noch von Mitgliedsbetrieben des Verbands zu beziehen. Der VDP kontrolliert sich strikt selbst: Seit 1990 wurden 50 von damals 160 Mitgliedern ausgeschlossen, 90 kamen hinzu, darunter vor allem Betriebe, die international höchstes Ansehen genießen.

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