WEINE DES MONATS : WEINE DES MONATS

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Zwei herausragende Weißburgunder aus dem neuen Jahrgang

Der Weißburgunder (Pinot blanc) ist eindeutig eine Stärke des deutschen Weinbaus. Denn dort, wo die Rebe sonst noch steht, beispielsweise im Elsass oder in Österreich, spielt sie nur eine untergeordnete Rolle, wird von den Winzern qualitativ kaum ausgereizt. (Und natürlich: Die sogenannten weißen Burgunder aus Frankreich sind sämtlich Chardonnays.) In Deutschland kommt die Sorte dem Trend in Richtung vollerer, nicht unbedingt säurebetonter Weißweine entgegen, und es hat sich nach dem Abschied von Barrique-Experimenten ein relativ einheitlicher Stil entwickelt, der ganz auf die Entfaltung der Frucht bei feiner Säure setzt und vor allem in sehr sonnenreichen Jahren durch eher frühe Lese die Voll- oder Überreife der Trauben vermeidet. Damit sind die brandigen, schlicht zu dicken Pinots der heißen Phase Geschichte, und es dominieren Trinkspaß und Eleganz.

Das Jahr 2012 passt ganz in dieses Profil: Die deutschen Weißweine sind generell konzentriert, aber trotzdem fruchtbetont und erfrischend – allerdings gibt es gerade vom Weißburgunder auch ziemlich wenig. Ein Grund, hinzulangen, oder auch zwei: Unser erster Vorschlag kommt aus Rheinhessen, der einst so übel beleumundeten Region, die in den letzten 20 Jahren zahllose Topwinzer hervorgebracht hat. Ganz im Süden, in Worms, liegt das einst als „Burgunderhof“ bekannte Gut Pfannebecker, das seit 2010 als Biobetrieb zertifiziert ist und einen bemerkenswerten Aufstieg geschafft hat. Unser 2012 Weißburgunder trocken ist ein herrlich saftiger Gutswein, feingliedrig und wirklich trocken, dabei aber von schönster Aromenpracht, Apfel, Birne, Melone, Aprikose klingen an. Die Flasche kostet – nahezu unschlagbare – 7,70 Euro bei Vinum, Danckelmannstr. 29 in Charlottenburg.

Weißburgunder aus Baden sind schon aus klimatischen Gründen noch einmal etwas andere Kaliber. Alexander Laible, der Fast-noch-Jungstar der Ortenau, hat in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg hingelegt und wurde, verdient, mit Auszeichnungen und Ehrungen überhäuft. Er gilt als großer Rieslingspezialist, brilliert aber auch beim Weißburgunder, den er 40 Kilometer südlich bei Lahr anbaut, aber in seiner umgebauten ehemaligen Großbäckerei in Durbach vinifiziert. Laible sortiert die Weine nicht nach Prädikaten, sondern nach einem etwas verwirrenden System, das auf Extraktwerten und anderen Parametern basiert. Der 2012 Weißburgunder SL mit drei Sternen ist im Mittelfeld des Angebots angesiedelt, eine Selektion mit Anspruch. Dieser Wein bringt naturgemäß eine größere Fülle mit und wirkt, obwohl trocken, einen Tick süßer, die Aromen tendieren mehr in Richtung Pfirsich, Mirabelle, Quitte – doch auch hier zeigt sich eine bemerkenswert animierende Saftigkeit bei toller Länge am Gaumen. Die Flasche kostet 14,95 Euro bei Vif am Mexikoplatz 1 in Zehlendorf. Bernd Matthies

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