Berlin : Weiße Weihnacht

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad über

das Flockenwunder von Berlin

Schneeflöckchen, Weißröckchen, da kommst du geschneit – ach, wie gerne hätten wir das am 24. Dezember vor uns hin gesummt, denn ein Weihnachtsfest ohne Schneegestöber ist doch nur halb so schön. Donald Duck hatte ganz Recht, als er einst – von weißer Weihnacht mal wieder keine Spur – sein Häuschen am Vorabend kalkweiß pinselte und die Umgebung gleich mit. Eine überflüssige Liebesmüh, um Tick, Trick und Track eine Freude zu bereiten. Ausgerechnet in der Nacht darauf schneite es in Entenhausen, und Donald wurde prompt unter einer Dachlawine begraben. So weit wie er gehen nur wenige mit ihrem Wunsch nach weißer Pracht. Mitunter hat ja auch der Herrgott oder wer auch immer am Himmelszelt ein Einsehen und lässt es rieseln wie gestern. Das sei zu spät gewesen, maulen Sie? Und Sie haben sich gestern im Schneetreiben schon den Sommer herbeigewünscht, als der Autofahrer vor ihnen nur noch im Schritttempo dahinzuckelte? Nun, Sie hätten jauchzen und frohlocken sollen über die unverhoffte Schneedecke. Denn die Flocken gestern Abend, sie bedeuteten nicht mehr und nicht weniger als – weiße Weihnacht. Bei Protestanten, Katholiken, Griechisch-Orthodoxen mag der alljährliche Weihnachtsreigen längst wieder vorbei sein, bei den Russisch-Orthodoxen ging er gestern erst richtig los. Sie feierten Heiligabend.

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