Berlin : Weißensee: Blumen und Bienen

Thomas Loy

Daniela Mesus muss jetzt mal was richtig stellen. Bei der Wahl zur Blumenkönigin von Weißensee handelt es sich nicht um einen dieser rummelhaften Schönheitswettbewerbe. Schönheit wird auch bewertet, aber irgendwie ganzheitlicher. Auch die geistige und die kreative Schönheit stehen auf dem Prüfstand. Blumenkönigin von Weißensee kann man auch noch mit 66 werden. Das sei hier in aller Strenge betont.

Daniela Mesus ist erst 16, hat aber einen Notendurchschnitt von 1,8 und liest Bücher über die Blumensprache. Heute um 17 Uhr müssen sich Daniela Mesus und 14 weitere Kandidatinnen der unbestechlichen Jury aus Buga-Frosch (noch unsicher), CMA-Blumenfee (sicher) und Vertretern aus Wirtschaft und Politik stellen. Fragen werden sie beantworten müssen und ein stilistisch bahnbrechendes Blumenkostüm vorführen. Ausdrücklich sei hier vermerkt, dass es in keinem Fall zu einer Vorführung von blumengemusterten Bikinis kommen wird, auch wenn der Veranstaltungsort am Weißen See durchaus den passenden Rahmen hergeben würde.

Zum Fest angemeldet hatten sich laut Veranstalter Stadtentwicklungssenator Peter Strieder und sogar Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis. Die Politik schmückt sich ja gerne mit Blumenmädchen, und es kann leider nicht ausgeschlossen werden, dass das Ehrenamt der Weißenseer Blumenkönigin zu parteipolitischen Zwecken missbraucht wird. Daniela Mesus macht solche Andeutungen. Ihre Eltern hätten sie auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht. "Die sind inner Politik." Aha.

Zu den königlichen Amtspflichten gehören, so berichten die Kandidatinnen, das Schütteln fremder Hände, das Ausharren in praller Sonne und die Zurverfügungstellung eines natürlichen Lächelns. Die Amtszeit beträgt ein Jahr, dann erfolgt zwangsläufig die Abwahl. Als Preisgeld gibt es einen Wertscheck über 500 Mark und ein Glas Sekt. Viel zu tun ist danach nicht mehr.

Daniela Mesus rechnet mit rund fünf Terminen im Jahr: Autohaus-Eröffnung, Partnerstadt-Empfang und was sonst noch einer Königin würdig ist. Auf unserem Foto können Sie, lieber Betrachter, einen letzten, vom Blumenkostüm noch unverfälschten Blick auf zumindest drei Thronanwärterinnen werfen. Danach werden die Damen nur noch im selbst verfertigten Blumenkostüm präsentiert. Das Antlitz der erwählten Königin, das lehren Vorbilder aus der Geschichte, wird fortan, unter der Last der Verantwortung stehend, eine unsichtbare Maske tragen, die sie vor der neugierigen Masse ihrer Untertanen schützt.

Alle drei Kandidatinnen haben übrigens einen festen Freund, der mindestens einmal im Monat freiwillig einen Blumenladen aufsucht, um der Geliebten seine Gefühle anschaulich zu machen. Katharina Winkelmann bekam an ihrem 21. Geburtstag sogar 25 Rosen von ihrem ständigen Verehrer. Vier Rosen über Soll, dem gebührt Anerkennung. Es könnte aber auch sein, dass der Freund die Sprache der Blumen ein wenig durcheinander bringt und jedes Jahr 25 Rosen anschleppt, nur weil die Liebste am 25. Juli geboren wurde.

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