Berlin : Weißes Häubchen, große Hoffnung

Vor 30 Jahren kamen koreanische Krankenschwestern nach Berlin. Jetzt feiern sie Jubiläum

$AUTHOR

Zum Empfang gab es am Flugplatz kleine Tulpensträußchen, Tee, Kaffee und Sandwiches. Und die Presse titelte euphorisch: „Willkommen mandeläugige Schwestern“, „Hallo gastarbeitende Engel“. Rund neunzig junge Koreanerinnen waren unter solchen Schlagzeilen zum Gruppenfoto aufgereiht, meist Pappkoffer in der Hand mit den nötigsten Kleidungsstücken, ein paar Büchern und persönlichen Dingen. Mehr als 20 Kilogramm Reisegepäck durften sie nicht mitnehmen in jene ferne, unbekannte Welt, deren Bewohner sie unbedingt als Krankenschwestern anheuern wollten.

Das war im November 1969. Gut 33 Jahre später, am gestrigen Samstag, feiert der „Verein Koreanischer Krankenschwestern“ sein dreißigjähriges Bestehen in der Werkstatt der Kulturen in Neukölln. Berlins scheidende Ausländerbeauftragte Barbara John (CDU) spricht die Grußworte, lobt die Integration der Koranerinnen in Berlin als vorbildlich und schaut dabei mancher Ruheständlerin in die Augen. Denn etliche der damaligen Neuankömmlinge beziehen inzwischen Rente. Der 1972 gegründete Verein hat ihnen über die Jahrzehnte hinweg geholfen, ins Berliner Leben hineinzufinden.

Schließlich gab es nach dem viel versprechenden Start bald jede Menge Probleme. Die jungen Frauen mit den weißen Häubchen hatten vom Ausland geträumt, da in Korea wegen des Devisenmangels nur Reiche das Land verlassen konnten. Der Ruf aus Berlin war ihre einzige Chance. Doch kaum gelandet, zerstob manche Illusion: Die neuen Schwestern waren zwar heiß begehrt, weil alleine in der Stadt damals hunderte Pflegekräfte fehlten – doch von Seiten ihrer deutschen Kollegen wurden sie nicht selten zu Hilfskräften degradiert. Man drückte ihnen den Putzlappen in die Hand. Und das, obwohl ihnen deutsche Behörden eine „hervorragende Ausbildung“ attestierten.

So richtig wehren konnten sich die jungen Koreanerinnen anfangs nur schwer. Mangelnde Sprachkenntnisse behinderten sie, außerdem waren viele von „ zierlicher Gestalt“, wie der Tagesspiegel 1971 schrieb. Also keine Respektspersonen. Andererseits wurden sie von vielen Patienten geliebt. „Manche wollten nur noch von uns gespritzt werden“, erinnern sich Schwestern heute. Sie lächelten freundlich, waren fachlich sicher und brachten ein wenig Exotik ans Krankenbett. Das faszinierte und verschaffte ihnen mit der Zeit auch im Kollegenkreis Anerkennung – bis die Gesundheitsbehörden Ende der 70er Jahre feststellten, nun seien genug Koreanerinnen im Land, ja, man könne etliche wieder zurückschicken. Aber dabei hatten sie nicht mit dem Verein Koreanischer Krankenschwestern gerechnet: Der wehrte sich erfolgreich gegen die Ex- und Hopp-Politik unter dem Motto „Wir sind doch keine Ware“. Rund 3000 Koreanerinnen waren bis dahin an die Spree gekommen – die meisten blieben bis heute. CS

Mehr zum Thema steht im Heft „Korea in Berlin von A bis Z“, erhältlich bei der Ausländerbeauftragten, Potsdamer Straße 65, 10785 Berlin, Tel.: 90172357.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar