Berlin : Weißes Haus Adlon

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Von Katja Füchsel

Davor ist also auch der Präsident der Vereinigten Staaten nicht gefeit. Da mietet er sich ein in einem der besten Häuser der Stadt. Lässt sich das teuerste Zimmer, die Präsidentensuite, reservieren und schaut – auf eine Baustelle. Über dem grünen Dach des Hotels Adlon kreisen die Kräne, unten werfen drei Bagger unermüdlich die Erde auf. Das Brandenburger Tor dahinter ist dicht, eine graue Plane mit rotem T versperrt die Sicht.

Touristenpech. Doch vermutlich hätte George W. Bush auch gar keine Zeit, in seiner Suite bis in den Vormittag zu schlafen. Termine, Termine, Termine. Am kommenden Mittwochabend wird der hohe Besuch am Pariser Platz erwartet, derzeit geht es im Hotel Adlon scheinbar noch gemächlich zu. Geschäftsleute treffen sich zum Lunch, Gäste trinken in tiefen Sesseln Kaffee. In der Halle plätschert der Brunnen, unauffällig huscht das Personal durch die Gänge. Alles wie immer? „Kein Kommentar“, sagt die Pressesprecherin des Hotels Adlon. „No comment“, sagt die Sprecherin der Amerikanischen Botschaft.

Und das heißt: Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren, man muss nur einmal etwas genauer hinhören. Seit Tagen beispielsweise beobachten die Nachbarn von der Behrenstraße aus Techniker in leeren Hotelzimmern der vierten Etage werkeln. Auf dem Dach des Adlon steht jetzt plötzlich eine Satellitenschüssel. Sicherheitsleute – im Anzug mit Knopf im Ohr – überprüfen von oben regelmäßig die Szenerie. Den Pariser Platz, die Baustelle, die Wilhelmstraße, die Touristen.

Zwei Präsidentensuiten hat das Adlon, eine wird George W. Bush beziehen. Die 200 Quadratmeter mit den verstärkten Mauern, schusssicheren Fenstern und Videoüberwachung sind für 7500 Euro die Nacht zu haben. Dem Präsidenten stehen neben einem Empfangssaal auch ein Speisezimmer für 12 Personen, Salon mit Flügel und Kamin, Bibliothek, Arbeitszimmer und zwei Schlafzimmer zur Verfügung. Ausgestattet mit blattvergoldeten Deckentapeten, raumhohen französischen Fenstern und Möbeln aus Kirsch- und Myrteholz. Luxus pur auch im Bad mit Sauna und Whirlpool: schwarzer Granit, heller Marmor und edle Holzvertäfelungen.

Im Hotel Adlon ist man im Umgang mit Staatsgästen geübt. Zuletzt residierte hier der chinesische Präsident Jiang Zemin, zuvor waren die Staatschefs von Finnland, Simbabwe, Ghana, Mexiko, das japanische Prinzenpaar, der Nato-Generalsekretär und der italienische Außenminister da. Vielleicht kam die Empfehlung ja aus ganz anderer Ecke: Schon der Papa, Ex-Präsident George Bush, ließ sich im Adlon nieder.

Nur in der Nachbarschaft will sich noch keine echte Routine einstellen. Die Anwohner wurden jetzt mit einem Schreiben in den Hausaufgängen über den Tag im Ausnahmezustand informiert. Die Gegend um das Adlon wird die Polizei bereits Stunden zuvor weiträumig abriegeln. Ohne gültigen Personalausweis kommt dann keiner mehr durch die rot-weißen Absperrgitter. „Und anschließend wird man von einem Beamten bis zur Tür geleitet“, sagt ein Anwohner. Jedenfalls, wenn der Präsident nicht gerade an- oder abfährt. Setzt sich die Kolonne in Bewegung, herrscht am Pariser Platz Alarmstufe Rot. „Da geht dann gar nichts mehr“, heißt es bei der Polizei.

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