Berlin : Weißt du, wie viel Sterne stehen?

Von Jennifer Lopez über Clint Eastwood bis zu Lauren Bacall: Zur Berlinale melden sich immer mehr attraktive Gäste an. Aber es gibt auch ein Ticketproblem, denn immer mehr Fachpublikum macht dem normalen Berlinale-Besucher die Karten streitig

Andreas Conrad

Jedes Ding hat zwei Seiten – eine Binsenweisheit, die auch – oder gerade – in der Traumwelt des Kinos zutrifft, wo alles nur gespielt ist; nie das also, was es zu sein scheint. So wird man es aus merkantiler Sicht zunächst begrüßen, dass der Filmmarkt der Berlinale sich zunehmender Beliebtheit erfreut und im Vorjahr sogar vom Daimler-Chrysler-Komplex am Potsdamer Platz in den Martin-GropiusBau mit seinem verdoppelten Platzangebot auswanderte.

Mehr Filmhändler bedeuten aber auch ein größeres Kartenkontingent für Fachbesucher, Tickets, die wiederum dem normalen Publikum, das nur der Leidenschaft für diesen oder jenen Star oder für das Kino insgesamt frönt, entzogen werden. Die Möglichkeit, an Karten zu kommen, werde durch das Fachpublikum immer geringer, beklagte jetzt Berlinale-Chef Dieter Kosslick im Deutschlandradio Kultur – und setzte sich zugleich dafür ein, dass seine Festspiele weiter wachsen: „Wir müssen neue Möglichkeiten schaffen, denn die Berlinale ist ein Publikumsfestival. Wenn wir das vergessen, ist die Berlinale hinüber.“

Immerhin kann er in diesem Jahr mit drei Sälen des Cubix-Kinos nahe dem Alexanderplatz eine neue Spielstätte anbieten, ein kleines Gegengewicht gegen die Schaulust der fast 19 000 Profis, die erwartet werden und denen wohl wieder 150 000 Zuschauer gegenüberstehen – so viele waren es jedenfalls im Vorjahr.

Diesmal dürfte der Verteilungskampf um die begehrten Billetts trotz aller Gegenmaßnahmen schon deswegen heftig ausfallen, weil die Liste der erwarteten Gäste doch sehr vielversprechend und glamourös daherkommt – ein zusätzlicher Anreiz, den Weg zum Verkaufsschalter zu suchen, für manchen vielleicht gar der entscheidende. Das geht schon am Donnerstag auf der Eröffnung des Festivals los, deren Star absehbar Marion Cotillard sein wird – in Frankreich schon weitaus bekannter als hierzulande, wenngleich sie vielen als Ex-Hure in „Mathilde – Eine große Liebe“, dem Kriegsdrama mit Audrey Tautou, noch gut in Erinnerung sein dürfte. Aber vielleicht bedeutet die Rolle der Edith Piaf im Berlinale-Eröffnungsfilm „La Vie en Rose“ für ihre Karriere das Gleiche wie die der fabelhafen Amélie für die Tautou.

Am Freitag geht es hochkarätig weiter, auch wenn Regisseur Steven Soderbergh seine beiden männlichen Hauptstars George Clooney und Tobey Maguire nicht mitbringt. Aber Cate Blanchett ist ihnen ja ohne weiteres ebenbürtig, zudem ausgesprochen attraktiv – schon deswegen ist es zu begrüßen, dass sie mit einem weiteren Wettbewerbsfilm, „Notes on a Scandal“ am 12. Februar vertreten ist, den allerdings nach bisheriger Planung nicht sie, sondern Filmpartnerin Dame Judi Dench vorstellen wird – 007-Anhängern besser bekannt als Bonds Chefin M.

Ohnehin wird das Festival diesmal offenbar geprägt von den großen älteren und alten Damen und Herren des Kinos: mit Lauren Bacall gewissermaßen als First Lady, zu bestaunen am späten Abend des 13. Februar auf dem roten Teppich vor dem Berlinale-Palast, Seite an Seite mit Moritz Bleibtreu, Willem Dafoe und Paul Schrader, dem Regissseur von „The Walker“ und diesjährigem Jurypräsidenten. Auch Marianne Faithfull, Darstellerin der Titelfigur in „Irina Palm“, ist hier zu nennen, auf der männlichen Seite vorneweg Clint Eastwood, Regisseur des Kriegsdramas „Letters from Iwo Jima“, sowie Robert De Niro, Regisseur von „The Good Shepherd“. Und dann dürfte eigentlich auch Berlinale-Stammgast Robert Altman nicht fehlen, aber der besieht sich den Trubel jetzt aus dem Kinohimmel.

Wie viele werden tatsächlich kommen? Ein gewisser Schwund ist immer einzukalkulieren. Aber noch kann man sich auf Joseph Fiennes, Matt Damon, Diane Kruger und Sharon Stone freuen, auf Emmanuelle Béart, Jennifer Lopez, Antonio Banderas und Julie Delpy, auf Sam Neill, Richard Gere, Charlies Enkelin Dolores Chaplin und schließlich all die deutschen Filmkünstler, von Nina Hoss über August Diehl, Marie Bäumer und Julia Jentsch bis zu Martina Gedeck.

Stars also, wohin man blickt, und da kann man es schon verkraften, dass Soderbergh „The Good German“ zwar im Nachkriegsberlin spielen lässt, als Drehort aber das wärmere Kalifornien vorzog.

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