Berlin : Weite Reise mit kleinen Staus

10000 Besucher kamen zum Tag der offenen Botschaften – mehr als je zuvor

Sebastian Leber

Dagmar Kieper war gestern die erste in der Schlange. Die Rentnerin aus Spandau hatte sich schon um 10 Uhr vor das Tor der ägyptischen Botschaft gestellt, eine Stunde, bevor das „All Nations Festival“ überhaupt losging: „Ich habe zwölf Botschaften auf meinem Zettel, da zählt doch jede Minute.“

Knapp 10000 Besucher nutzten laut Veranstalter gestern den Tag der offenen Botschaften, um Einblicke in Kunst und Kultur der teilnehmenden Länder zu gewinnen. Damit ist das diesjährige All Nations Festival das bestbesuchte seiner fünfjährigen Geschichte. Die Berliner Gesellschaft für internationale Begegnung (BGiB) zeigt sich hochzufrieden. „Da hat sich der wochenlange Planungsstress doch gelohnt“, sagt Mitarbeiterin Angelika Hirschmann.

Regelrecht überlaufen war dieses Jahr die indische Botschaft. Zwischen den Basarständen im Foyer gab es zwischenzeitlich kein Durchkommen mehr. Botschaftsmitarbeiter Manoj Mohapatra wusste auch, warum: „Wir behandeln unsere Gäste wie Götter.“

Tatsächlich hatten sich die Inder einiges einfallen lassen: Besucher konnten sich edle Sari-Gewänder umhängen, die verschiedensten Curry-Speisen testen, den Klängen der Sitar lauschen oder sich in Indiens Volkssport Hockey versuchen. Vor allem jüngere Besucherinnen zog es zum Stand mit den Henna-Bemalungen – so auch die 14-jährige Varinia Prüfer aus Charlottenburg. Dass die Verzierung auf ihren Händen erst nach zwei Wochen verblassen wird, störte die Schülerin nicht: „Das kenne ich schon aus den indischen Bollywood-Filmen.“ Die schaue sie gerne, weil da „mehr Bewegung drin ist als in deutschen Filmen“.

Viel Bewegung gab es gestern auch in der Botschaft von Venezuela: Tanzlehrerin Monica Leopold zeigte Schrittfolgen des traditionellen Volkstanzes Joropo. Die Besucher schauten fasziniert zu – mitmachen wollten aber nur wenige. „Das muss ich erstmal zu Hause üben“, sagte ein junger Besucher.

Pompös ging es in der Botschaft von Malaysia zu. Im Innenhof des Gebäudes stand ein silberner Thron in einem Meer aus Teppichen und Kerzenleuchtern. Der Thron war aber nicht etwa für den König des Landes reserviert, sondern für die 21-jährige Studentin Husna Hisan. Gemeinsam mit ihrem deutschen Freund spielte sie für die Besucher eine traditionelle malaysische Hochzeit nach – inklusive Trauzeugen, Musik und Brautkleid. Danach gab’s für die Hochzeitsgäste fritierte Bananenbällchen und Teh Tarik, mit Ingwer gewürzten Milchtee. Für Husna und ihren Freund war die Zeremonie eine Art Generalprobe – im August wollen sie nach Malaysia reisen und dort tatsächlich heiraten.

Angelika Hirschmann von der BGiB, eine von fünf ehrenamtlichen Helfern, die das Festival organisiert haben, will jetzt erst mal ausspannen. Die Vorbereitungen der letzten Wochen hätten sie „ziemlich geschlaucht“. Und weil das Festival ständig größer wird, sollen fürs nächste Jahr Sponsoren gewonnen werden.

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