Berlin : Weiter Proteste gegen BVG-Konzept

Anwohner kämpfen für Wiedereinführung der Buslinie 348. Kritik an überfüllten Trams und U-Bahnen

Klaus Kurpjuweit

BVG-Fahrgäste rings um den Breitenbachplatz und den Südwestkorso in Wilmersdorf geben nicht auf. Über 550 Unterschriften gegen die Einstellung der Buslinie 348 haben sie erneut nach der Umstellung des Netzes am 12. Dezember gesammelt und der BVG übergeben. Schon im Vorfeld hatten über tausend Fahrgäste mit ihrer Unterschrift gegen die Einstellung des 348er protestiert. Für die Anwohner ist die umsteigefreie Verbindung ins Zentrum, die auch behindertengerecht war, verloren gegangen. Auch woanders regt sich weiter Protest gegen das neue Liniennetz (siehe Kasten unten).

So hat die BVG unter anderem die Mitarbeiter des Humboldt-Krankenhauses Am Nordgraben in Wittenau nach 20 Uhr vom Nahverkehr abgehängt. Als Ersatz für den dort weggenommenen 120er hat die BVG zwar die Linie 325 bis zum Krankenhaus verlängert, doch werktags nur bis 20 Uhr. Der 120er fuhr dagegen bis nach Mitternacht. Insgesamt hat die BVG 99 Haltestellen aufgegeben, lediglich 18 wurden neu eingerichtet.

Nach wie vor sind viele Straßenbahnen und Busse auch überbesetzt. Zum Teil liegt es daran, dass nur noch alle 20 Minuten statt alle 10 Minuten ein Bus oder eine Straßenbahn kommt, wie bei der neuen Metrotram 6 zwischen Schwarzkopffstraße und Hackeschem Markt. Durch die neue Linienführung sind auch U-Bahnzüge voller geworden. Auf der Linie U 1 (Warschauer Straße – Uhlandstraße) fahren die Bahnen im Kreuzberger Bereich den ganzen Tag über statt alle drei nur noch alle fünf Minuten. Weniger Züge als vor dem Fahrplanwechsel gibt es auch auf der U 5 (Alexanderplatz – Hönow).

Aber auch der Fahrplan lässt die Kunden verzweifeln. Weil die Bahnen der neuen U 3 aus Krumme Lanke nicht mehr zur Warschauer Straße fahren, sondern ihre Fahrt fast mitten auf der Strecke beenden, müssen Fahrgäste nun nicht nur im Bahnhof Nollendorfplatz aussteigen und auf den nächsten Zug warten. Gibt es Verspätungen, kann sich die Wartezeit für die Fahrt zur nächsten Station nun sogar auf acht Minuten ausdehnen. Dabei hatte die BVG bei der Werbung für ihr neues Konzept stets verkündet, wichtigstes Kriterium sei eine schnelle Reisezeit.

Lob oder Kritik zum neuen Netz können Sie uns aktuell weiter als E-Mail an berlin@tagesspiel.de schreiben.

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